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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 114

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 114 (sequence 116)
Language
German
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114 Und wo soll Josephus ferner diese Rede gehalten haben? In Palästina? Das ist als unmöglich nachgewiesen worden. Oder etwa auf seiner Reise nach Rom im Jahre 63? Aber vor einem fremden Publikum konnte er doch nicht auf eine r Gewohnheit zu predigen* hinweisen. Kurz, ist Flavius Josephus der Verfasser unserer Schrift, so lässt sich weder vor noch nach dem Untergange des jüdischen Staates weder in Palästina noch ausserhalb des jüdischen Landes eine Zeit und ein Ort finden, mit denen die Entstehung unserer Predigt zu vereinigen wäre.1) Doch mag der Biograph des Flavius Josephus es bedauern, dass aus der Reihe seiner Schriften diejenige ausscheidet, die ein schönes Denkmal der Vaterlandsliebe, der philosophischen und rednerischen Bildung ihres Verfassers ist; der Werthschätzung unseres Buches selbst kann es nur förderlich sein, dass nicht der Mann den Preis todesmuthiger Glaubenstreue in ihr niedergelegt hat, der Alles verstand, nur nicht Märtyrer zu sein. Mag ferner des Forschers Wissbegierde es beklagen, dass der Name des alten Predigers verschollen ist und allem Anscheine nach verschollen bleiben wird, seine kleine Rede lehrt ihn uns besser kennen, als sein Name es vermocht hätte. Wir haben keine c Rettung9 der Schrift" geschrieben und wollen auch den Verfasser nicht überschätzen. Bei aller seiner Bildung war er kein tiefer Denker und ein gar schlechter Historiker; aber seine Schrift macht auch nicht den Anspruch, ein Geschichtswerk zu sein oder das System einer Philosophie zu enthalten. Sie ist eine Predigt und die beste Predigt ist nicht die für alle Verhältnisse passende, deren Verfasser zugleich als Philosoph und als Historiker das Höchste leistet, sondern die, welche an einem bestimmten Orte und in einer bestimmten Zeit den besten Zweck am sichersten erreicht. Darum haben wir auch kein Recht, den Verfasser wegen der uns unerträglichen Schildernngen zu verdammen, die er mit so furchtbarer Anschaulichkeit entwirft. Seine Zeit entschuldigt, rechtfertigt diese Behandlung eines solchen Stoffes, und den Prediger trifft kein Vorwurf, dass wir heut zu Tage ein religiöses Martyrium nicht J) Dass ein anderer Josephus der Verfasser unserer Schrift sei, ist eine Vermuthung Ewald’s (IV3 633), die durch entscheidende Gründe nicht unterstützt wird.

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