Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2720927--111-2722321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
110 Aegypten angehört, so lässt sich noch immer keine engere Formel für die theologischen Anschauungen ihrer Urheber finden, als: Vereinigung biblischer Lehren und griechischer Philosöpheme. Gleiche Bestrebungen aber zeigen sich auch ausserhalb Afexandria’s, ja selbst jene eigenthümlichen Ideen, die man vorzugsweise alexandriniscke zu nennen pflegt, führen auf den verschiedensten Gebieten des Hellenismus ein entschiedenes, kräftiges Dasein. Flavius Josephus ist den Interpretationskünsten Philo’s durchaus zugethan; er hegte lange Zeit die Absicht, ein allegorisches Werk über Gott und sein Wesen und die Gründe der Gesetze1) zu schreiben, und wenn er auch diese Absicht vielleicht nicht ausgeführt hat, so findet man doch selbst in seinen historischen Schriften genug Anklänge an jene calexandrinisch-theosophischeni Lehren.2) Die Schrift de mcorruptibilitate mundi, die sich unter Philo’s Werke verirrt hat, ist sicherlich nicht von Philo und nicht in Aegypten verfasst;3) ihrem philosophischen Gehalt nach aber würde sie Niemand von einer phiionischen Schrift unterscheiden können. Samaritaner verehren einen Menschen als δνναμις &eov η μεγάλη,4) was denn doch bezeugt, dass im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung ausserhalb Aegyptens die Lehre von den Mittelkräften weit unter den Standpunkt Philo’s herabgesunken war. Der Kiliker Paulus deutet in philonischer Art die Worte der Schrift.5) So braucht man denn nicht erst auf Essäer und die Targumim, sowie auf den Hebräerbrief und das Johannesevangelium, deren Heimathsort oder Abfassungszeit noch immer nicht sicher genugerkanntist, zu verweisen, um auch den letzten Eest von Wahrscheinlichkeit der Ansicht zu entziehen, die von einer speeifisch alexandrinischen, mystich-allegorischen Schule spricht; die im ersten nachchristlichen Jahrhundert nach dem Vorwiegen dieser Lehren das Vaterland einer Schrift bestimmen und wohl gar aus Alexandria verbannen ') Am. proöm. 4 1, 1, 1. 1, 10, 5. HI, 5, 6. HI, 6, 6. 8,10. IV, 8, 4 XX, 11, 2. c. Ap. 1, 14 Schwerlich ist än einer dieser Stellen von zwei Werken gesprochen, was Par et in Herzoges Real-Eneyclopädie s. v. Josephus annimmt. 2) Vergl. Ant. I, 7, 1. III, 7, 7. VI, 11, 8. VIII, 4, 2. X, 11, 1. b. J. III, 8, 5. VII, 8, 7. c. Ap. H, 16. 24 3) s. Bernays in den Monatsb. der Berl. Akad. 1863 p. 34. 4) A. G. VIH, 9 f. 5) Gal. 4, 22 f.