Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 107)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2720904-2720927--106-2722316- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 den Zweifel der eigenen Glaubensgenossen zu schützen. Diese Vertheidigung ist der Angelpunkt, um den sich die theologischen Anschauungen Ps. Josephus3 drehen. Mit welcher Verehrung er am Gesetze hängt, wie angelegen er es sich sein lässt, eine gleiche Verehrung bei seinen Zuhörern zu wecken, das zeigt sich wie an unzähligen anderen Stellen; so auch vollkommen in jenen oben (S. 13) angeführten, Mahn Worten: cO, Ihr Abkömmlinge Abrahamäischen Geschlechtes, 'Israeliten, folget diesem Gesetze und lebet fromm in jeder Art, erken- 'nend, dass aller Gemüthsbewegungen Herrin die fromme Vernunft ist* Sind hiermit die Beziehungen in ausreichender Fülle dargelegt, die den Prediger an seine Zeit binden, so fragt es sich doch noch, welches war die Gelegenheit, die ihm den äusseren Anlass zu seiner Predigt bot. Grimm freilich, der sie für eine blosse Redeübung hält, braucht nach einem solchen Anlass nicht zu suchen. An jedem Tage konnte jeder Rhetor sich die Aufgabe stellen, wie über das Lob des Thersites oder den Tadel der Penelope,1) so 'über die Herrschaft der Vernunft3 in beliebiger Weise zu deklamiren. Damit aber verliert Grimm überhaupt das Recht, nach den Zeitbeziehungen der Predigt zu fragen. Denn diese lassen sich aus der vorwiegenden Richtung eines Werkes nur da erkennen, wo man sich nicht von vornherein über alle Zeitbestimmungen hinwegzusetzen gedenkt, wie es doch in den Rhetorschulen geschah. Diese nun aber bei den Juden nachzuweisen, Rhetorschulen mit einer so religiösen Tendenz, wie sie vom ersten bis zum letzten Worte unserer Predigt eigen ist, das dürfte eben so schwer halten, wie es die nicht abzulehnende Aufgabe des Mannes war, der für eine solche religiöse Deklamiriibung unsere Rede und damit doch auch die übrigen Predigten erklärt, die zu halten Ps. Josephus 'gewohnt war.3 Ist nun aber unsere Rede eine wirkliche Predigt, die vor einem jüdischen Publikum wirklich gehalten worden ist, so muss eine ganz bestimmte Gelegenheit den Verfasser zur Wahl seines Stoffes und zur vorliegenden Behandlung desselben veranlasst haben* Welcher Art *) Beliebte Themata nach Polyb. fr. Vatic. XII, 25: όταν η Θεραίτον λέγειν Ιγν.ώμιον η Πηνελόπης προ&ωνται ιρόγαν....