Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 106)
- Language
- German
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104 und’Schrift ihnen zufloss 5 die sieh erhöhen hatten zu . einer durch philosophische Erkenntniss beleuchteten, pietätsvollen Verehrung des jüdischen Gesetzes. Zu diesen Männern gehören Philo und der Verfasser der Sapientia, zu ihnen gehört auch unser Prediger. Er steht mitten in jenen Gegensätzen und doch über ihnen. An die Treuen und die Schlaffen* an die Zweifler und die Gläubigen, an die Kampfeslustigen und an die Verzagenden, an die Philosophen und die Gesetzeskundigen wendet sich das Feuerwort des Redners. Der Satz, dass Frömmigkeit und Vernunft über Lust und Leid und Liebe und Hass siegen können, soll die Zuhörer stählen gegen das süsse, das verderbliche Gift griechischer Lebensanschauungen. Die alte Erzählung von dem Heldenmuthe, der Geisteskraft der Märtyrer soll das verweichlichte Geschlecht zu gleicher Opferfreudigkeit begeistern; die Schilderung von der Noth und der Verfolgung, aber auch von der Treue und Glaubensstärke früherer Tage soll die Vorbereitung sein zu dem unausbleiblichen Kampfe, den das schärfer blickende Auge mit Noth Wendigkeit heranschreiten sah. Da wird die furchtbare Kleinmalerei begreiflich, mit der die Leiden der Märtyrer geschildert sind; denn je Schlimmeres sie zu erdulden hatten, je glorreicher ihre Glaubensstärke hervorgeht aus allen Qualen und Martern, desto eindringlicher wird die Mahnung des Predigers, hinter der Todesverachtung und Gesetzestreue der Vorfahren nicht gar zu weit zurückzubleiben. Aus der Gespanntheit, die zwischen der heidnischen und jüdischen Welt in jener Zeit bestand, erklärt sich der Hass gegen die fremdländische, längst nicht mehr unschuldige1) Sitte gymnastischer Uebungen (277, 21); die nachdrückliche Betonung des Vorzuges, den die Abstammung von Abraham in sich schliesse (297, 27. 302, 32)2) und das stolze Wort, cdass allein die Söhne der Hebräer im Kampfe für die Tugend unbesiegbar seien* (287, 19). In dieser Zeit war endlich die Verteidigung des Ceremonialgesetzes geboten, die so eindringlich und so häufig Ps. Josephus unternimmt. Denn wie gegen den Spott der Heiden, so war es auch gegen 0 Aristophanes Nubes v. 967/. 2) Parallelen in Note 14.