Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 105)
- Language
- German
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105 ihm zu versehen hat, wenn die blutigen Würfel einmal geworfen sind. Noch herrscht Ruhe im Volke; aber schon grollt in der Ferne der Donner des wilden Aufstandes, der das Volk zum Verzweiflungskampfe rief, der Kränze ewigen Ruhmes um seine Stirne wand, der aber das Volksthum in Trümmer schlug und in Blutströmen die hochaufschlagenden Flammen der Vaterlandsliebe und der Glaubenstreue löschte. Und wie zwischen Regierenden und Regierten, so herrschte auch eine erbitterte Feindschaft zwischen den beiden unterworfenen Völkern, die Jahrhunderte schon zusammenwohnend in zahlreichen Städten Palästinas, Syriens, Kleinasiens, Aegyptens, ja fast in der ganzen civilisirten Welt, trotz alledem ebensowenig einander in ihrem eigensten Wesen verstanden, wie Jude und Römer einander verstehen konnten. Nie hat ein Volk das andere gründlicher gehasst, als die entarteten Nachkömmlinge der griechich - macedonischen Eroberer das jüdische Volk mit seiner spröden Eigenart, mit seinen abstossenden Sitten und seltsamen Bräuchen hassten. Was Wunder, dass man Verachtung erntete, wo man Hass gesäet hatte? So stehen auch die Hellenenstädte unter dem Drucke jener widerspruchsvollen Zeit; es wiederholen sich hier, wenn auch in etwas milderer Form, die Erscheinungen, welche schroffer, härter auf palästinischem Boden sich geltend machen. Wir finden auch hier einen ausgeprägten Judenhass bei den Griechen und Verachtung griechischen Wahnglaubens, griechischer Ueberhebung und griechischer Unsittlichkeit bei den Juden. Auch hier zeigt sich unter den Juden dieselbe Anhänglichkeit an jüdisches Gesetz und Volksthum und dieselbe Gleichgiltigkeit gegen dasselbe, dieselbe furchtbare Strenge in der Ausübung des kleinsten gesetzlichen Brauches und dieselbe Lockerung der sittlichen Grundlagen des Lebens, ein noch gesteigerterer Drang nach Aneignung griechischer Bildung und dasselbe Liebäugeln mit der Gewalt, derselbe Patriotismus und derselbe selbstvergessene Fremdendienst. Doch hier gab es aber auch eine Menge begabter, gutgesinnter Männer, die über die Mehrzahl dieser Gegensätze hinausgedrungen waren, wenigstens in der Stille der Studirstube; die den Glauben der Väter sich bewahrt hatten und den reinen Sinn der Jugend und die Anhänglichkeit an ihre alte Heimath und an ihr Volk und Gesetz; die aber die Augen nicht verschliessen mochten vor dem ungemessenen Reichthume an Geist und Bildung, der in griechischer Sprache