Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 103)
- Language
- German
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101 übrigen Erzählungen des zweiten MB. sicher auf die syrisehe Zeit und spotten jeder Umdeutung. Und wenn dieses nicht geleugnet werden kann, so liegt nicht der mindeste Grund vor, mit jenen zwei Capiteln eine Ausnahme zu machen und allein die Martyrien des Eleasar, der Mutter und der sieben Brüder als der trajanischen Zeit angehörige Zuthat des Epitomators aus dem Geschichtsbuche hinauszuwerfen. Das würde schon gegen die so bestimmte und unumwundene Angabe des Epitomators verstossen, wonach bloss Jason von Kyrene von ihm umgearbeitet sein soll.1) Wann soll ferner das IV MB. nach Volkmar entstanden sein? Nach der Zeit der hadrianischen Verfolgung, nach der Aufhebung seiner Edicte? Aber damals lag nicht der mindeste Grund für die Vermummung mehr vor. Unter Antoninus Pius oder in noch späterer Zeit hätte wohl kein jüdischer Prediger vor einem jüdischen Publikum mit den Leiden der Vergangenheit noch Versteck gespielt — die ganz unverhüllt gegebenen talmudischen Erzählungen beweisen es; mindestens hätte doch die Maske etwas mehr gelüftet werden müssen, als es in unserem Buche geschieht. Wer aber möchte glauben, dass ein Mann so voll glühender Frömmigkeit und Vaterlandsliebe noch während der Verfolgung Zeit und Lust gehabt habe, zu einer so sorgsam ausgearbeiteten, so zierlich aufgeputzten Bede und dass er ein Publikum gefunden habe, das auf den noch rauchenden Trümmern des Vaterlandes den Ergüssen schönredender Kunstfertigkeit seine Aufmerksamkeit zu schenken fgewohnt gewesen wäre5? Endlich aber, um alle Möglichkeiten zu erschöpfen, anzunehmen, dass das .IV MB. ohne Rücksicht auf eine bestimmte Zeit ganz unbefangen seiner Quelle in dem historischen Stücke gefolgt sei, das heisst jede Zeitbeziehung aufgeben oder wieder zur früheren Ansicht zurückkehren; denn in diesem Falle hat der Verfasser der Predigt ja nicht die hadrianische, sondern die syrische Verfolgung in seiner Vorlage geschildert gesehen und in seiner Predigt nacherzählt. Nichts also hindert uns, der früheren, insbesondere aber von Ewald2) ausgesprochenen und vertheidigten Ansicht zuzustimmen, wo- *) s. oben S. 73. -) IV3 633. VI3 641. Es ist betrübend, oder, wenn man will, ergötzlich zu sehen, mit welchen Gründen das Alter unserer Schrift noch vor Kurzem von anderen deutschen Gelehrten erschlossen worden ist. Siehe hierüber Note 16.