Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 102)
- Language
- German
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100 Glaubensverfolgüng gesehen hatte. Wer nun in diesen Verfolgungen den Anlass gegeben sieht zu der sagenhaften letzten Ausschmückung der Marterscene im II und IV MB., der kann aus einer der erwähnten wählen; nur muss er darauf verzichten, seine Deutung für mehr als blosse Vermuthung auszugeben und einen hökern Grad von Wahrscheinlichkeit ihr zu vindiciren, als aus dem Zusammentreffen einiger äusseren Umstände zwischen der Pöbelhetze in Alexandrien, den Verfolgungen unter den Komischen Kaisern und den gewaltsamen Nivellirungsversuchen des Seleukiden hervorgeht. Ebensowenig wie die Berichte des Talmuds erweist die Form der Schrift, die Buntmalerei der Sprache, die oft an die Sophistik des zweiten Jahrhunderts erinnert, die Behandlung der Quaestio, die der Chrie des im zweiten Jahrhundert lebenden Hermogenes nahe kommt, den späteren Ursprung, der nach Volkmar ihr beizulegen ist. Denn in der Beweisführung (argumentatio) wurde schon Jahrhunderte vor Hermogenes ein ähnliches Schema angewendet, wie es die aphthonianische Chrie aufweist und wie wir es in unserer Predigt (oben S. 18 f.) wiedergefunden haben; und auch Chrie und Gnome waren im ersten Jahrhundert längst beliebte. Formen rhetorischer Technik.1) Die zierlichen Redewendungen allein werden aber selbstverständlich Niemanden veranlassen, die Abfassung der Kede in das Zeitalter der späteren Sophistik zu setzen. So zeigt ja auch Philo’s Sprache oft eine überraschende Aehnlichkeit mit den rhetorischen Erzeugnissen der sophistischen Zeit, ohne dass man hieran je den mindesten Anstoss genommen hätte. Wenn so die Gründe, die man für Volkmars Hypothese Vorbringen könnte, in Nichts zergehen, so lässt sich auch direct nach weisen, dass nicht die hadrianische Verfolgung im IV MB. geschildert sein könne. Dasselbe Schicksal, das nämlich das IV MB. trifft, muss auch über das zweite verhängt werden, das uns im sechsten und siebenten Capitel dieselben Ereignisse schildert. Nun beziehen sich aber alle *) Ueber die Form der argumeutatio vergl. Auct. ad Her. H, 18, "27 f. IW 53, 56 f. Cic. de inv. 1, 29, 44 f. über die Formen der γνώμη und χρεία vor Hermogenes s. Aristoteles Met. II c. 21; Anaximenes c. 11 Rh. gr. p. 198, 12 f. Sp., Amt. ad Her. IV, 17, 24.; Quintil. 1, 9. II, 4,4.; Hermogenes Rh. gr. II, p. 6, 16 Sp. Vergl. Spengel zu Aristot, a. a. 0.