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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 98

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 98 (sequence 100)
Language
German
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98 liehe Tendenz, der es auf genaue Fixirung der Zeit und des Ortes gar nicht ankommt, und durch die ganz unbegründete Angabe, Hadrian sei es gewesen, der den Tempel zu Alexandria zerstörte, ergiebt sich auch seine Unzuverlässigkeit. Ferner wird ein wichtiger Zug aus unserer Erzählung an einer anderen Stelle von ganz anderen Personen aus der Zeit der trajanisclien Verfolgung berichtet. cPapus und Julianus, so erzählt der Jerus. Talmud *), wollte man cin einem dunkelfarbigen Glase Wasser zu trinken geben; aber sie cweigerten sich es anzunehmen:* Man wünschte nämlich den Schein zu erwecken, dass sie vom Gesetze verbotenen, weil zu götzendienerischem Gebrauche bestimmten Wein getrunken hätten. Um das Volk aber nicht irre zu führen, zogen sie den Tod diesem Auswege vor, gerade wie in unserem Buche Eleasar und wie in der obigen Erzählung der jüngste der sieben Brüder. Endlich lässt es sich auch psychologisch erklären, wie es kam, dass vornehmlich Ueberlieferungen aus den Tagen der Makkabäer mit Ereignissen aus der Zeit der trajanisch-hadrianischen Verfolgungen verschmolzen wurden. Nach den vielen Leiden, Kämpfen, Zerrüttungen, welche die schlechten Nachkommen des edelen Hasmonäerstammes zum grossen Theile selbst über sich und ihr Volk heraufbeschworen hatten, ward man gleichgiltig auch gegen die Thaten des ersten Heldengeschlechtes und so versanken diese in eine uns heute fast unbegreifliche Vergessenheit.1 2) Unauslöschlich aber hatten sich dem Gedächtnisse der talmudischen Zeit die Ereignisse aus der letzten grossen Religionsverfolgung eingeprägt, und um so verklärter erschien Alles, was in dieser Zeit für die Religion gethan und gelitten war, als es gerade die Spitzen der Gesetzeslehrer gewesen sind, welche damals das Martyrium auf sich genommen haben. Auch das, was haltlos schwankend von Namen und Sagen aus der Makkabäergeschichte bis auf diese Zeit sich gerettet hatte, ging theilweise in die Erzählungen aus der viel späteren, römischen Zeit über durch eine Art von optischer Täuschung, die das bedeutsame Nächste in grossen Zügen malt, das Entferntere und Gleichgiltigere in verschwindender Kleinheit erscheinen lässt. So verwuchsen Ereignisse aus der syrischen mit ähnlichen 1) Schebiit IV, 2. 2) s. oben S. 78.

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