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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 97

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 97 (sequence 99)
Language
German
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91 'sein)Da führte man ihn hinaus, um ihn zu tödten. Die Mutter ‘sprach: .'Gebt ihn mir, dass ich ihn noch einmal küsse/ Da sagte sie ‘ihm: ‘Kinder, geht, saget Abraham, Eurem Vater: cDu hast Einen 'Altar gebaut und auf Einem geopfert — ich habe sieben Altäre ge- 'baut und auf sieben geopfert/ Und sie ging auf ein Dach, stürzte 'hinunter und starb. Da erscholl eine himmlische Stimme, die sprach: 'Die Mutter der Kinder, sie ist in Freuden* (ip. 113, 9). An der Identität des hier geschilderten Ereignisses mit den Grundzügen unserer Predigt ist nicht zu zweifeln. Hier wie dort das fromme Weib, die sieben Söhne, die Weigerung, auch nur zum Scheine ein Gesetz zu übertreten, der Selbstmord der Mutter. Könnte nun dieser Bericht als zuverlässige historische Quelle gelten, so wäre die Frage schnell zu Gunsten Volkmar’s gelöst; denn nur hätten in ihm einen Anhalt für die Zeitbestimmung gefunden, dessen Klarheit Nichts zu wünschen übrig liesse. Nun aber ist der Talmud, wenn dieser Colleetivname die zahllose Menge von Männern decken darf, die in ihm sich aussprechen, kein Geschichtswerk und will nicht als solches gelten. Er benutzt die Geschichte, aber erforscht sie nicht. In der kühlen Debatte der Gesetzeslehrer und in den erbaulichen Vorträgen der Volksredner wird auf die alte Zeit Bezug genommen; aber nicht aut beglaubigte Actenstücke, nur zum geringsten Theile auf schriftliche Aufzeichnungen, fast gänzlich auf mündliche Ueberlieferung stützen sich diese geschichtlichen Reminiscenzen. Und nicht mit dem Ansprüche, unanfechtbare historische Wahrheit zu sein, treten sie auf, sondern als tröstliche, belehrende und mahnende Erinnerung aus der rühm- und leidvollen Vorzeit. Und wenn es mehr als Einem unter den neueren Geschichtsforschern gelungen ist, aus der Masse des aufgehäuften historischen Schuttes Goldkörner von unbezweifelter Echtheit herauszuklauben, so kann doch eine allein stehende Notiz ohne weitere Bewährung als ein solches Goldkorn nimmer anerkannt werden, zumal wo Gründe der gewichtigsten Art an dem Werthe des Fundes zweifeln lassen. * Zunächst unterliegt auf dem langen Wege durch die Jahrhunderte Nichts so sehr allmäliger Umwandelung, ja Zerstörung des ursprünglichen Wesens als chronologische Angaben, wenn nicht die Schrift sie festhält, sondern mündliche Ueberlieferung sie fortpflanzt. Sodann zeigt der obige Bericht schon durch die Einkleidung seine bloss erbau- 7

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