Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 94)
- Language
- German
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92 in der Philo und Josephus gelebt haben und über deren Strebungen, Anschauungen und Zustände — die religiösen zumal — diese beiden Männer in ihren weitschichtigen Werken uns eine, wenn auch nicht immer zuverlässige, so doch ungemein reiche Kunde geben. Wir wüssten sicherlich mehr von kunstgerechten Predigten, wenn längere Zeit vor dem schriftstellerischen Wirken dieser zwei bedeutendsten Vertreter des jüdischen Hellenismus man nach Art unseres Ps. Josephus zu predigen gewohnt gewesen wäre. Wenn wir nun auch vom Geschichtschreiber Josephus eine genaue Beschreibung der Predigtformen seiner Zeit bei der geringen Zahl der einschlägigen Stellen nicht verlangen dürfen, so berichtet doch Philo gerade über Vorträge und Vorlesungen ausführlich genug, um einzelne Hinweisungen auf die höchste aller derartigen Kunstformen erwarten zu lassen, wenn sie ihm überhaupt bekannt geworden wäre. Keine Andeutung aber verräth, dass er von schulgerecht disponirten und gearbeiteten Predigten je Etwas erfahren habe; vielmehr weisen alle seine Mittheilungen auf eine kunstlose, homilienartige Form der Vorträge hin, und unter seinen Schriften, die ja zum Theil aus wirklichen Kanzelreden hervorgegangen sind, ist keine, die in ihrem äusseren Zuschnitte der Gestalt unserer Predigt auch nur nahe käme. Man könnte eiüwenden, dass dieselbe vielleicht in einer von Alexandria weit entfernten Stadt lange Zeit vor Philo könne gehalten worden sein, ohne dass irgend eine Kunde davon nach Alexandria gedrungen wäre. Möglich ist es ja freilich, aber doch höchst unwahrscheinlich, dass trotz des lebhaften Verkehrs zwischen allen Punkten der Hellenistischen Welt und ihrem Mittelpunkte, Alexandria, eine so merkwürdige und gewiss so viel Aufsehen erregende Predigerthätigkeit, wie die unseres Ps. Josephus, hier unbekannt geblieben sein sollte. Auf die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts, als den frühesten Termin ihrer Entstehung, weist ferner Alle, die mit Graetz r) die 'Weisheit - Salomonis* unter Caligula entstanden denken, ein Citat aus dieser schönen Schrift; denn schwerlich ist das Zusammentreffen anders zu bezeichnen, das zwischen Sap. 8, 7 und 'IV MB. 279, 21 f. besteht. Man vergleiche : l) ΙΠ2 442 f.