Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 74)
- Language
- German
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72 Es ist sein entschiedener Vorsatz, darzuthun, dass das jüdische Gesetz allen Forderungen des Denkens entspreche; aber er erweist das durch einfache Deutungen der Schrift, nicht durch gewaltsame allegorische Deuteleien, die aus Griechenland in die jüdisch-hellenistischen Kreise gedrungen, die dunkelsten Schatten auf die jüdische Keligionsphilosophie geworfen haben. So wird das Verdienst unsrem Ps. Josephus Niemand streitig machen können, dass er, verzichtend auf alle künstlichen Vermittelungsversuche, einen ehrlichen Bund zwischen Glauben und Denken zu schliessen unternahm auf Grund der Erkenntniss, dass seine Religion nicht eine Religion unnatürlicher Weltflucht, sondern kräftiger Selbstbeherrschung sei. III. Unabweislich tritt, bei der Betrachtung der historischen Bestandtheile unseres Buchs die Frage an uns heran, in welchem Verhältniss sie zu den sonstigen Berichten über die Zeit der Makkabäer, wie man nun einmal zu sagen gewohnt ist, stehen. Eine ausführlichere Erörterung des Sachverhaltes wird um so mehr am Orte sein, als wir bei dieser Gelegenheit am bequemsten einen Einblick in die historische Rüstkammer unseres Verfassers gewinnen können. Unsere Schrift zeigt in der Behandlung des Stoffes, in Worten und Gedanken eine auffallende Uebereinstimmung mit dem zweiten Makkabäerbuche, die sich nur durch eine von folgenden Annahmen erklären lässt: 1) Π MB. und IV MB. behandeln denselben Stoff unabhängig von einander auf Grund einer gemeinsamen mündlichen Ueberlieferung. 2) Eines von beiden Büchern hat das andere benutzt, und es fragt sich, welches ist Original, welches Copie. 3) Beide Bücher sind selbständige Bearbeitungen eines und desselben älteren GeschichtsWerkes.