Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 73)
- Language
- German
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71 sind. Sie zeigen, dass diese Ideen nicht neu vom Verfasser geschaffen wurden1), sondern längst im Volke lebten und, um verstanden zu werden, einer grösseren Ausführlichkeit nicht bedurften. Sollen wir jetzt das G-esammtergebniss dieser Untersuchung kurz darlegen, so wäre etwa Folgendes zu sagen. Ps. Josephus ist kein speculativer Kopf im wahren Sinne des Wortes; denn nirgends finden wir Züge wirklicher Originalität des Denkens. Er ist auch nicht der Mann, der die philosophischen Gedanken Anderer durch eine glänzende Darstellung wie neugeschaffen erscheinen lassen könnte. Die trockenen Excurse 282, 11 f; 292, 14 f. und die Eintönigkeit grosser Theile des Ganzen erweisen es. Aber er ist ein klar denkender Kopf, der aus verschiedenen Systemen mit reifem Urtheil zusammensucht, was seiner Denkungsart sich fügen will, der, obgleich Stoiker in den Grundzügen seiner Ethik, sich gänzlich lossagt von ihrer Metaphysik und auch ihrer rigoristischen Moral kühn entgegentritt, ja sich nicht scheut, dem mehr geschmähten als gekannten Epikur in einzelnen Sätzen sich anzusehliessen.2) Ihm ist die Freude am Leben nicht vergällt durch das schwere Gewölk, das sich immer düsterer und düsterer um sein Vaterland zusammenzog; er eifert nicht wie Philo und spätere Martyrologienschreiber gegen das csüsse Leben* (285, 32) und die 'Gaben der Natur’, (279, 23. 27) und gegen die Sinnlichkeit als solche. Wir finden in ihm keine Spur von jener lebensmüden Askese der späteren Zeit; so vielen Anlass zu dergleichen Betrachtungen die schlimme Zeit und der schreckliche Stoff ihm auch bieten mochte. J) So die oben angeführten Ausdrücke ζην κατά ϋ·εόν, παρά ϋ·εώ. Wenn dagegen Gfrörer ρ. 193 in ταμιενεοϋ-at (292, 32) 'etwas Mystisches’ erblickt, so haben ihm gewiss Stellen wie die folgenden nicht zur Vergleichung gedient: PHlonea 60, 1. Tisch. 64, 8. Tisch. Π, 65, 3. Π, 75, 21. Π, 400, 5. II, 401, 12. 17 Mang, und sonst. Für zufällig halte ich das Zusammentreffen mit dem entsprechenden in Sätzen wie dem oben S. 69, 4 angeführten. * 2) Der Lehre Epikur’s oder der Skeptiker entlehnt ist auch μετά αταραξίας ζην, das nothwendig 286, 5 aus allen codd. wiederherzustellen sein wird. Das Thema, Herrschaft der Vernunft über Affecte und Leidenschaften ist so wenig stoisch — wie Grimm p. 288 meint — dass man sagen darf, es sei so alt wie die Ethik selbst. Einzelnes aus der erdrückenden Zahl von Belegen hier herauszugreifen, widerräth sich von selbst.