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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 64

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 64 (sequence 66)
Language
German
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64 System sclieute. So sehen wir denn, dass er den philosophischen Erörterungen aller metaphysischen Fragen ängstlich aus dem Wege geht, obgleich sein Thema sie ihm so nahe legte, und kaum erinnert uns hier und da ein Wort, wie etwa -d-siog λογισμός (293, 13), dass ihm die Theologie der Stoa auch nur bekannt geworden ist. Es ist die Ethik allein, innerhalb deren er jenes Ziel zu erreichen strebte, und wir können bestimmt genug die Richtung des Weges angeben, auf dem er ging. Vor Allem ist es die biblische Lehre von Gott und seinen Eigenschaften, welche nach Ps. Josephus den Menschen erhebt und adelt. Sie flösst ihm Vertrauen zu Gott ein und das Bewusstsein, dass der tugendhafte Mann nie unglücklich sein könne; durch sie kann man das Ideal des Weisen verwirklichen, wie es die Stoa so unerreichbar hoch sich ausgemalt hatte; durch sie allein kann man der Gemüthsbewegungen Herr werden (284, 2 — 6; 287, 19). Sodann sind es die von einem mächtigen Zuge erhabener Sittenstrenge durchwehten mosaischen Gesetze, welche ihm die Ueberzeugung gewähren, dass die göttliche Lehre seines Volkes Nichts enthalte, was der lauteren philosophischen Moral der Griechen nicht angemessen sei. Jedes der viel verspotteten strengen Gesetze über Speise und Trank, über Zins und Erndte soll nach Ps. Josephus’ Darstellung den Menschen in seinem Kampfe gegen die Leidenschaft stärken; jedes dieser Gesetze erweist, dass der Mensch die Gemüthsbewegungen besiegen kann und fordert, dass er sie besiege. (273, 5 — 274, l.)1) Die von Ps. Josephus besprochenen religiösen Vorschriften haben auch an Philo einen eifrigen Vertkeidiger oder Fürsprecher gefunden. l) Die Nachweise aus der Bibel, die zu diesem Absätze Grimm und die neue deutsche TJebersetzung geben, bedürfen der Ergänzung und Berichtigung. 273,18f. ist auf das Sabbatjahr und nicht mit Grimm auf das Jobeljahr zu beziehen, (s. 5. B. M. 15, 1 f; Gittin 36 a; Philonea 15, 4 cd. Tisch. Lips. 1868). Die Liebe zu den Eltern heisst der Talmud da schweigen, wo sie eine Verletzung des Gesetzes von den Kindern verlangen. (Jebam. 6 a; Bab. Mez. 32 a.) Die Frau wird um eines Frevels willen vom Manne zur Bestrafung geführt nach Num. 5, 11. (Yergl. Sotah 7 a); den Nächsten zurechtzuweisen, nicht aber im Herzen zu hassen, befiehlt Levit. 19,17. (Vergl. II Sam. 12, 1 f. 24, 13 f. Eccl. 7, 5. Abot des R’ Nath. 29: 'Liebe den, der dich zurechtweist, und hasse den, der dich preist’ “jrvOlD ΠΝ 2ΊΠΝ) “jnu&'D ΠΝ iWi) Bab. Mez. 32, a. und viel Aehnliches in der talmudischen Literatur.

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