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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 63

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 63 (sequence 65)
Language
German
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63 c Religion* übersetzen, wie wir es oben getban haben. Die Religion ist die Quelle aller Tugenden, auch der ευσέβεια in engerem Sinne der 'Frömmigkeit,* als einer subjectiyen Stimmung des Herzens; der vertrauensvollen Verehruug Gottes. ευσέβεια in jenem Sinne ist die Wurzel, ευσέβεια in diesem die Bltithe, Religion die Mutter, Frömmigkeit die Schwester der Cardinaltugenden.1) Aber die Religion steht unserem Verfasser in keinem Gegensätze zur Philosophie, sondern fällt mit ihr zusammen. An Ps. Josephus selbst hatte sich ja jene Vereinigung vollzogen von nicht gewöhnlichem, philosophischen Wissen und wahrhaft religiöser Gesinnung, eine Vereinigung, die ihm ebenso sehr die stillschweigende Voraussetzung alles Denkens ist, wie allen gleichstrebenden Theologen seiner Zeit. Hur unter dieser Voraussetzung ist es erklärlich, dass eine religiöse Rede mit philosophischen Definitionen angefüllt ist; denn philosophische Wahrheit und religiöse Weisheit ist identisch. Der Philosoph ist Prediger geworden und der Prediger darf sich nicht scheuen, den heidnischen Philosophen Lehren zu entnehmen, die, so wollte es eine damals ganz allgemein verbreitete Meinung, der jüdischen Religion selbst ursprünglich angehört haben.2) So ist ihm φιλοσοφία die religiöse Weisheit (279, 20. 284, 2), σοφός der fromme Weise (284, 5) σοφία die durch das religiöse Gesetz erlangte Bildung (271, 24). Hier tritt nun aber ein Gegensatz zwischen unserem Prediger und Philo zu Tage, wie er schärfer nicht gedacht werden kann. Es ist nämlich schon hervorgehoben worden, dass Ps. Josephus von vornherein darauf verzichtet, eine Vereinigung stoischer Metaphysik und jüdischer Offenbarungslehre zu Stande zu bringen. So strenge folgt er hier der Bibel, so wenig weiss er von den Interpretationskünsten Philo’s, dass er auch die Annäherung an jedes andere griechische ') Wer diesen Unterschied nicht anerkennt, lässt Ps. Josephus in einem Cirkel sich bewegen. Denn nach 279, 24 ist ευσέβεια den übrigen Cardinalttigenden coordinii’t und die Einsicht (φρόνηας) ist nach 271, 28 die umfassendste aller Tugenden. Unserer Stelle aber zufolge (288, 27 f.) soll aus ευσέβεια alle Tugend und die Einsicht selbst hervorgehen. 2) Aristobul bei Ens. pr. er. XIII, 12. 663 D f. Clem. Alex. Strom. 342 B< Philo 503, 2 f. II, 454, 5 f. und sonst. Jos. c. Ap. II, 39 und sonst. Aehnliche Anschauungen der Griechen siehe unter Anderen bei Jos. c. Ap. 1, 22. Diog. L· proorn. 9. Clem. Alex. Strom. 305 D.

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