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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 62

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 62 (sequence 64)
Language
German
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62 Theilte Ps. Josephus diese Anschauung, so stände er ira Widerspruch mit allen seinen jüdischen Zeitgenossen, die hierüber sich ausgesprochen haben,*) und schwerlich würde er in diesem Falle vor einem jüdischen Publikum eine religiöse Rede gehalten haben. Es sind in der That nicht bloss religiöse, sondern auch ethische Gründe, die ihm eine ganz andere Ansicht aufnöthigen. Es könnte Mancher, so spricht sich unser Verfasser (288, 27 f.) aus, seine Fehler mit der Ausflucht entschuldigen wollen, dass er nun einmal seine Gemütsbewegungen nicht bezähmen könne, dass sein Wille nicht stark, sein Denken nicht einsichtig genug sei, um ihrer Herr zu werden. Dem entgegnet Ps. Josephus, dass Jeder ein Mittel besitze, um sich zu tapferer Beherrschung aller, der Vernunft widerstrebenden Leidenschaften zu befähigen. Dies Mittel heisse Anhänglichkeit an die väterliche Religion. Das Gesetz dieser Religion schliesst die Fülle der Weisheit in sich (271, 25); denn es ist ein vom cWeltenschöpfeF den Menschen gegebenes. (Vergl. 279, 9. 26 f. 281, 24. 288, 6. 290, 3. 291, 6.) Das Gesetz lehrt uns die göttlichen und menschlichen Dinge in der -würdigsten Weise kennen (271, 25); es ist eine Schule aller Tugenden (279, 21). cWer an der Religion cfest hält1 — so heisst es 283, 29 — fder sorgt von ganzem Herzen cdafür, dass sein Denken einsichtig sei und der allein kann der cFleischestriebe Herr werden. Denn wer wird nicht die Gemütliscbewegungeu bändigen können, der nach Weisheit strebt entsprechend cden Vorschriften der religiösen Lehre in ihrem ganzen Umfange, cder Gott vertraut% und erkennt, dass um der Tugend willen jegliches cLeid ertragen Glückseligkeit ist? denn der Weise allein/ so schliesst diese Abschweifung (284,5) mit jenem bekannten hier vortrefflich angewandten stoisch en Parad.oxon, cder Weise allein ist tapfer und besonnen *und Herr der Gemütlisbeweguugen.a Hiermit ist denn in dem Begriff der ευσέβεια selbst ein Unterschied gesetzt, den wir am besten bezeichnen, wenn wir das Wort bald mit Frömmigkeit/ bald mit *) Der Stellen, in denen die jüdische Lehre als Grundlage aller menschlichen Weisheit erscheint, sind so viele, dass eine Auswahl zu treffen schwierig und zugleich unnöthig ist. Doch sei auf Bretschneider a. a. 0. p. 71 ff. für die Apokryphen, und auf Dähne a. a. 0. I p. 341 ff. für die philonische Lehre hingewiesen.

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