Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 62)
- Language
- German
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60 Apathie, welche die Stoiker predigen, zusammen. Grimm freilich behauptet, *) dass Ps. Josephus die Makkabäer als 'absolute ApathenJ habe schildern wollen, was aber aus den angeführten Stellen gar nicht hervorgeht und im Widerspruch steht sowohl mit den obigen allgemeinen Sätzen als auch mit der Thatsache, dass Ps. Josephus selbst gar häufig an das Mitleid seiner Zuhörer appellirt, ja eigentlich seine ganze Rede an dieses πά&ος richtet (s. bes. 294, 28; 300,16 und sonst). Wie sehr nun auch diese Lehre Ps. Josephus’ der strengen Ansicht der consequenten Stoiker widerstreitet, so steht er doch mit dieser seiner milden Ansicht über die Affecte auch innerhalb seiner Schule nicht allein.* 2) Philo dagegen verlangt gänzliche Ausrottung der πάΰη, wenigstens für den vollendeten Weisen.3) Dagegen stimmen nicht bloss die Stoiker, sondern selbst die Epikureer mit Ps. Josephus darin überein, dass der Weise selbst in den grössten Leiden glückselig sei. Ja es ist vielleicht Nichts von allen stoischen Paradoxen bekannter geworden, als dieser bis ins Maasslose hinaufgeschraubte Satz, den in gleicher Schärfe Epikur ausspricht.4) Dankbar müssen wir es daher anerkennen, dass Ps. Josephus diesen Gedanken, der ebenso tiefsinnig ist,/ wie er, wenn auf die Spitze getrieben, jeder gesunden Lebensanschauung gefährlich werden kann, in der bescheidensten Weise angewendet;5) dass er ihn nicht missbraucht hat, um auf die billigste Art sein Thema durchzuführen und, der menschlichen Natur spottend, die Leiden der Märtyrer in ebenso viele Freuden zu verwandeln. Gegen die hier Vorgetragene Lehre von den Tugenden und Affecten erhebt sich nun aber ein Einwand, dessen ganze Schwere die entschiedenen Anhänger der Stoa trifft. Es steht in unserer Macht, hängt jedenfalls vom λογισμός, dem vernünftigen Willen, ab, ob wir der wirklich vorhandenen Lust oder Begierde Folge leisten wollen q A. a. 0. p. 355. 2) s. Zeller IV2 248. 639. Plutarch’s gleiche Stellung erhellt aus de virt. mor. 12. cons. ad Apoll. 3. '■ η 112, 49 f. 113, 42 f. 114, 49. 116, 23. Π, 411, 6 f. 4) Ueber die stoische Lehre s. Zeller IV2 216; über die epikureische das. p. 404. 5) Er verwendet ihn bloss Einmal (284, 3).