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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 59

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 59 (sequence 61)
Language
German
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59 unvernünftigen und vernünftigen Affecten einnimmt, *) ja dass Aristoteles den 'thöricht0 nennt, der nie zu zürnen im Stande ist,* 2) so wird man sich nicht wundern dürfen, ihn hier den gemeinen sinnlichen Trieben, der Gefrässigkeit und der Wollust, gegenübergestellt zu sehen. Alle diese Affecte kann die Vernunft lenken und beherrschen. 'Von Lust und Unlust, wie von zwei Pflanzen der Seele und des 'Körpers giebt es gar viele Schösslinge,0 so sagt Ps. Josephus (272, 12 f). 'Alle diese aber säubert und beschneidet3) und umwindet und 'benetzt und leitet in jeder Art die Allgärtnerin Vernunft und veredelt 'so das Gestrüpp 4) der Sitten und Gemtithsbewegnngen.0 Aber nur beherrschen, nicht ausrotten soll die Vernunft die Gemüthsbewegungen. Die Vernunft beherrscht die πάΰη, 'nicht um 'sie zu vernichten, sondern um ihnen nicht zu weichen0 (270, 16), und unmittelbar darauf (274, 32)5) heisst es: 'denn nicht entwurzelt die Gemüthsbewegungen die Vernunft, sondern sie kämpft gegen dieselben an.0 Nun sagt der Verfasser freilich, dass die Märtyrer in den grössten Qualen standhaft geblieben seien, dass sie trotz der grössten Qualen nicht klagten (287, 27), dass ihnen 'der Schmerz leicht ward 'durch die Tugend0 (288, 17), dass 'das Feuer kalt, die Folter kraft- Tos6) und die Gewalt des Tyrannen ohnmächtig gegen sie war0 (219, 5). Wie wenig aber fallen diese rhetorischen Phrasen mit der!) Platon Phaedr. 246 B ff. Rep. 439 E. Tim. 69 E f. 77 B. Aristot. E. J». 1126, 3. Plut. de virt. mor. 12. Philo II, 350, 47. a) E. N. 1126, 4 ol γαρ μη οριζόμενοι εφ οΐς δεϊ ήλί&ιοι δοκονβιν είναι. 3) Grimm beweist aus άποκνίζων (272, 13), dass Ps. Josephus einige der Affecte wie Neid, Perfidie unbedingt niedergehalten wissen wolle (p. 307). Es versteht sich von selbst, dass zu dieser seltsamen Ansicht die Bedeutung von άπον.νίζων Grimm nicht berechtigt. Es heisst nämlich nicht 'abschneiden,’ wie in Passow’s Lexicon freilich gelesen wird, sondern 'abkneipen, beschneiden’, ist also so viel wie περίκοπταν, nicht άποκόπτειν. Die Existenz von Neid, Perfidie in den obigen Stellen unserer Schrift ist, wie erwiesen ist, überhaupt zu läugnen. 4) Ueber diese Metapher vergl. Philo 37, 7; 48, 50; 211, 42. Quaest. in Gen. 1 § 6. 10. 11 und oft. 5) Nach dör nothwendigen Versetzung von 270, 11 — 17 an die Stelle von 274,21 — 24. S. Note 8. ®) άτονοι ist hier (mit statt des gewöhnlicheren anovoi) zu lesen.

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