Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 59)
- Language
- German
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57 Alle Gemüthsbewegungen scheiden sich in körperliche und seelische, ein neuer Widerspruch mit den Lehren der Stoa, der alle πά&η blosse Störungen der Vernunft und die vernunftmässigen, erlaubten Stimmungen, die ενπά&ειαι, keine πάθη mehr sind.J) Wie häufig dagegen in anderen Systemen diese Scheidung hervorgehoben wird, braucht fast nicht nachgewiesen zu werden.1 2) Zu den rein körperlichen Trieben (σώματος κινήματα 272, 30)3) gehört die Begierde nach verbotenen Speisen (272, 23), die Wollust (273, 1 f)4); und aus der Lust geht auch eine Veränderung des gesammten sittlichen Zustandes, eine bösartige Beschaffenheit des Menschen (κακοήθης διάθεΰις) hervor, die sich in den körperlich vermittelten Lastern, der Völler ei, Gehässigkeit, Trunksucht (272, 9. 273, 13 f.) äussert. Warum aber Ps. Josephus diese Laster allein (272, 9) genannt hat, ist nicht ganz klar. Vielleicht hat der Gegen- 1) Zeller IV2 248. 2) Aus Aristoteles seien bloss E. N. 1117 b 28. 1153 , 32. 1154, 8. 10. 1173 b 9. Pol. 1340, 17. Rhet. 1370, 18 f; von epikureischen Lehrern das bei D. L. X 136 ff. Berichtete hervorgehoben. Ueber eine verwandte Abweichung von den Consequenzen des stoischen Systems giebt Zeller IV2 633 f. nähere Kunde. 3) Ps. Joseph, aber hält diese Scheidung nicht immer fest. So umhisst zuweilen της ψυχής επι&υμίαι auch körperliche Begierden; denn ψυχή bezeichnet ihm das gesammte Gebiet der Lebenserscheinungen, und ψυχή ist oft genug auch in der besten Prosa der'thierische Trieb s. Xenoph. Cyrop. 8, 7, 4. Mem. 1,2, 4; 3,14. Umgekehrt schliessen τα. τής σαρκός πά&η 283, 31 doch auch die früher der Seele zugeschriebenen πά&η ein. So spricht auch Plut. cons. ad. Ap. 2 von ψυχικά πά&η obgleich sie das. 13 τής σαρκός πά&η heissen und so nennt auch Philo die πάϋ'η bald ψυχής, bald σώματος oder σαρκός πά&η s. 280, 34. II, 24, 48. Π, 301. 23. Quaest. in Genes. I, § 99. II, § 66. άνακαμπτόμενα 272, 29, von Wahl s. v. umsonst vertheidigt, wird nur durch α,κ geschützt. Es ist mit den übrigen codd. άνακοπτόμενα zu lesen. Das Wort ist häufig bei Jos. z. B. 6. I. Π, 18, 7; in unserer Schrift findet es sich 292, 25. 4) Zu lesen ist wohl εί ai τής ψυχής επι&υμίαι <κα'ι> προς τήν τοϋ κάλλους μετ- ουσίαν άκυροϋνται; denn και konnte nach ιαι leicht ausfallen. (S. VahlenBeitr. zuArist. Poet. p. 37.) ή του κάλλους μετουσία ist ein decenter Ausdruck und natürlich dasselbe, was 273, 4 der συνουσιασμός. Mit Grimm z. St. anzunehmen, der Verfasser führe'die Geschlechtsliebe auf das Wohlgefallen der Seele am Schönen zurück5 und zwar-hier bei der Liebe der Frau Potiphar’s zu Joseph ist bei dem nüchternen Standpunkte Ps. Josephus’ unmöglich.