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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 55

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 55 (sequence 57)
Language
German
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55 Wunder nehmen, der die Schwankungen in der Aufzählung jener Tugenden bei den griechischen Philosophen kennen gelernt hat.l 2) Der Mensch führt kein reines Tugendlehen· denn mit den sittlichen Anlagen (ή-0-η) sind auch cGemüthsbewegungenJ (πά&η)'1) der verschiedensten Art ihm eingepflanzt worden (274,17), welche die Tugend hemmen und niederhalten, und zu deren Bekämpfung (274, 18 f.) und Beherrschung die Vernunft berufen ist. Abweichend von der gewöhnliehen stoischen Lehre hebt Ps. Josephus aus der grossen Zahl der πά&η nicht vier (ηδονή, πόνος, επιθυμία, φόβος) 3), sondern bloss zwei, Lust und Unlust (ήδονή τε χαϊ πόνος 271, 30) alscdie umfassendsten* (αι περιεχτιχώταται) hervor und nähert sich damit der Ansicht älterer und gegnerischer Systeme, wie die des Aristoteles und des Epikur sind.4) Diesen c Grundbewegungen* (κινήματα 272, 30; gehen vorauf Begierde und Widerstreben (επιθυμία, φόβος 272, 2 f;. Diese Lehre bedarf weder der Rechtfertigung noch der Belege. Aber nach Ps. 1) Das-Beispiel Platons Protag. 330 C. Govg. 507 A f. de Rep. 518 E. de legg. 631 C rechtfertigt auch Philo’s unter einander so abweichende Angaben 56, 14 ff. 205, 35. 206, 5. 213, 23. 284, 44. II, 351, 33. II, 358, 22. II, 360, 27. II, 435, 10 und sonst. 2) Dieses Wort ist wohl das geeignetste, das vieldeutige πά&ος, dessen Uebersetzung auch Cicero Schwierigkeiten machte (de finib. III, 10, 35. Tusc. III, 4, 7) in seinem hiesigen Gebrauche zu vertreten; wenn wir unter 'Gemüthsbewegungen* alle seelischen Vorgänge verstehen, die dem Innern der Seele entweder ganz an» gehören, wie die Gefühle, oder lediglich von ihr vorbereitet sind, wie Begierden und Strebungen und sich als solche den gesammten Erscheinungen der Erkenntnissthätigkeit, die von einem äussern Objecte ausgehen, gegenüberstellen. Zuweilen ist aber der Begriff von πά&ος erweitert. 270, 12. 274, 23 sind λή&η und άγνοια von Ps. Josephus πά&η genannt worden, als 'Störungen’ des regelmässigen Verlaufes der Vorstellungen. 272, 6 wird eine κακοήϋης διά&εβις ein πά&ος genannt, als 'Störung’ des normalen tugendhaften Lebens. In weiterem Sinne ist ja πά&ος jede 'Erscheinung’ des Seelenlebens, selbst Erinnerung, Meinung und Vorstellung, nur mit dem leisen Nebenbegriffe des unfreiwilligen Geschehens oder der 'Störung’ des normalen Seelenlebens. Hierin stimmen Platon, Aristoteles und die späteren Psychologen überein. Für den aristotelischen Gebrauch ist das jetzt gegen jeden Widerspruch geschützt durch Bonitz’s Abhandlung über πά&ος und πά&ημα (Sitzungsber. d. K. A. d. W. phil. hist. Classe LX Bd. p. XIII ff.) Das Nähere gehört nicht hierher. 3) Stob. ecl. II, 166. D. L. VII, 110 f. Cic. Tusc. HI, 11, 24. IV, 6, 11. Philo 85, 11. 214, 17. Π, 419, 35. 4) Arist. Mor. M. 1186, 34. Rhet. 1378, 20. D, L. X, 34: πά&η δε λέγουΰΐν είναι δύο, ηδονήν καί άλγηδόνα.

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