Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
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54 Gestalt nicht denkbar ohne Einsicht. Diese d. h. das über Gut und Schlecht urtheil ende und üb erlegende Denken tritt darum aus jener Yierzahl noch nicht heraus, nimmt aber die höchste Stelle unter ihnen ein und kommt durch Vermittelung des λογισμός, des für ein weises, tugendhaftes Leben sich entschliessenden Denkens (271, 21) auch innerhalb der übrigen Tugenden zur Geltung. Wer die haarscharfen Distinctionen der Stoiker kennt, wird schwerlich anstehen zu glauben, dass in dieser Weise Ps. Josephus zwischen den hart an einander stossenden Lehren, ohne einen Widerspruch mit sich selbst zu begehen, hindurchgeschlüpft ist. Doch zu einer zweifellosen Ueberzeugung können wir in diesem Punkte nicht gelangen, weil Ps. Josephus nirgends eine Definition der Cardinaltugenden giebt. Nur von der Mässigung wird (272, 19) gesagt, dass sie 'die Beherrschung der Begierden* sei (επικράτεια των επιθυμιών), und von den übrigen Tugenden giebt er wenigstens die Wirkungen an. 'Das Gesetz,* sagt er 279, 21,clehrt uns Mässigung, so dass wir über alle Lust und 'Begierde herrschen, übt uns in Tapferkeit, so dass wir freiwillig jedem Schmerze uns unterziehen, erzieht uns in Gerechtigkeit, so dass 'ein Gleichgewicht in allen unsern sittlichen Eigenschaften bestehe*) 'und unterrichtet uns in Frömmigkeit, so dass wir den seienden Gott 'allein hochherrlich verehren.*2) Dass übrigens hier ευσέβεια statt φρόνησις in die Reihe der Cardinaltugenden einrückt, und dass an einem andern Orte (274, 21) unter den dieselben ersetzenden Beiwörtern άγα&ός an die Stelle von φρόνιμος getreten ist, wird Niemanden 9 Natürlich ist hier mit Grimm aus den Handschriften die Lücke zu ergänzen. Ich entscheide mich für folgende Lesart δικαιοσύνην παιδεύει, ώστε διά πάντων των η&ών Ισοδυναμεΐν καί ευσέβειαν διδάσκει... Gerechtigkeit besteht in einer Harmonie, dem Gleichgewicht aller Seelenthätigkeiten nach Platon Rep. 441 D f. und vielen Späteren. Mull, fragm. philos. H, 19. 26 \ Phüo Quaest. in Genes. 1 § 13: jusiitia omnino possidetur harmonia quadam trium animae partium; Polus bei Stob. flor. IX, 54 δικαιοσύνη αρμονία καί είράνα τάς ολας ψυχας μετ ενρνϋ·μίας. s. ferner defin. Flat. opp. tom. VI. p. 71 Herrm. Eine solche Harmonie aller Seelenthätigkeiten bezeichnet ίσοδνναμεΐν διά πάντων των ή&ών 'gleich stark sein in1 allen sittlichen Eigenschaften/ a) σεβεΐν (Z. 25) ist mit a S zu schreiben statt des εναεβεΐν, das durch ευσέβειαν (Z. 24) veranlasst wurde.