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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 53

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 53 (sequence 55)
Language
German
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53 so hätten consequenter Weise auch die vier Cardinaltugenden bloss als verschieden bestimmte Arten der σοφία definirt werden müssen, also Einsicht als Wissen von guten oder bösen Dingen; Tapferkeit als Wissen von den zu fürchtenden und nicht zu fürchtenden Dingen · Mässigung als Wissen von Dingen, die man wählen und von solchen, deren man sich enthalten soll; Gerechtigkeit als Wissen von dem, was Jedem zuzuertheilen ist.*) Und in der That scheint Ps. Josephus dieser Ansicht nahe zu kommen, wenn er die Einsicht die grösste und mächtigste aller Tugenden nennt (270, 5. 271, 29); wenn er angiebt, dass der λογισμός nur durch Hilfe der Einsicht (εχ της φρονήσεως) herrsche (271, 29).1 2) Welche Stellung nimmt aber die φρόνησις ein? Wie kann sie, die den drei andern Cardinaltugenden beigeordnet und als solche bloss eine Art der σοφία ist, zugleich die grösste und umfassendste der Tugenden genannt werden? Sind wir nicht zu der Annahme gezwungen, Ps. Josephus habe hier zwei widersprechende stoische Richtungen mit einander verbunden, die des Zenon und des Apollophanes, denen die φρόνησις,3) und die des Chrysippus und Anderer, denen σοφία oder επιστήμη als Wurzel der Cardinaltugenden galt?4) Aber dieser Schluss wäre ein voreiliger. Wie Philo an Einem und demselben Orte σοφία als Urquell der Tugend, die άγα&ότης als γενική αρετή lind die φρόνησις als χρατίστη καί δοχιμωτάτη αρετή ansieht (56, 14 f. 24 f. 57, 1 f.), so darf auch Ps. Josephus annehmen, dass alle Tugenden in der Weisheit, als dem Wissen göttlicher und menschlicher Dinge ihren letzten Grund haben: Einsicht und Tapferkeit, Mässigung und Gerechtigkeit. Wie aber schon Aristoteles gelehrt hatte,5) sind auch diese letzteren Tugenden in ihrer wahren 1) D. L. VII, 92. Stob. ecl. II, 102. 167. Clc.Tusc. IV, 24, 53. De off 1, 43, 153. 2) Hieraus ergiebt sich, dass λογιομός viel enger ist, als'Vernunft/ Zu dieser Bedeutung von Ι.ογίομός s. Aristot. Polit. 1312 b 29. vergl. mit E. IV. 1179 b 29. Philo 280, 21. II 163, 14. Plut. häufig z. B. de virt. mor. 7. cons. ad Ap. 33. 3) Plut. de virt. mor. c. 2. D. L. VII, 92. 4) Cie. de off. 1, 43, 153. Stob. ecl. II, 167. Anderes hei Zeller p. 46. 49 217 ff. s) Allst. Eth. Nile. 1144 b' 20.

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