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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 51

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 51 (sequence 53)
Language
German
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51 275, 23, so erhellt, dass es geradezu die Thätigkeit'des Ueberlegens/ des blossen λογίζεσ&αι ist. An anderen Stellen kann es nur 'Denkthätigkeit3 schlechthin bedeuten (270, 14. 274, 24), und als Synonymon findet sich διάνοια (273, 2) *). In jener Definition (271, 21) nun aber bezeichnet λογισμός das 'wahre Denken/ das nie irren kann und zwar in entschiedener Beziehung auf die practische Thätigkeit des Geistes, λογισμός ist also unserem Verfasser nicht das Denken schlechthin, sondern das vernünftige Denken, das sich für das Lehen der Weisheit entscheidet. In diesem Sinne steht es denn geradezu für ευσεβής λογισμός (frommes Denken); welches Attribut eben so häufig ihm vom Verfasser beigelegt wie entzogen wird. Oft treten aber andere Adjectiva, die eine gleiche Beziehung genauer ausdrücken sollen, hinzu: ευσεβής (sehr häufig); ΰεΐος (293, 13); παγγέωργος (272, 12); σώφρων (275, 31); φρόνιμος (283, 28. 30). Diese Beziehung nun auf das Handeln macht es nothwendig, das Wort, wie Grimm es thut, mit 'Vernunftwillen3 zu übersetzen, oder für dasselbe doch einen Ausdruck wie 'Vernunft3 zu wählen, der practische, wie theoretische Thätigkeit des Geistes zugleich bezeichnet. Freilich werden wir bald sehen, dass ein den Begriff vollkommen deckender Ausdruck im Deutschen nicht vorhanden ist. λογισμός ist also die Vernunft, 'die mit rechter Ueberlegnug das Lehen der Weisheit erwählt.3 Was ist aber Weisheit? Hoch entschiedener zeigt sich bei diesem Begriffe, wie unserem Verfasser Denken und Handeln, Vernunft und Sittlichkeit in unauflöslicher Verbindung Zusammengehen. Die Weisheit ist — und diese Definition ist wörtlich den Stoikern entlehnt — 'die Erkenntniss göttlicher und menschlicher Dinge und ihrer Gründe3;* 2) also ein rein theoretischer Begriff. Unmittelbar auf diese Definition aber folgen die Worte:'Arten der Weisheit giebt es vier: Einsicht, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mässigung.3 Bezeichnet λογισμός also zugleich vernünftiges Denken und 9 Die rec. ist aus einer ungerechtfertigten Verbindung der Lesarten von 31 n. 58 hervorgegangen und stützt sich nicht auf handschriftliche Autorität. Zu lesen ist offenbar mit S L M und nach ACDE οτι diavoia περιεκράτηβε. 2) Plut. de plac. ph. proiim. 2. Stob. ecl. II, 316. S. E. adv. Math. EX, 13. u. An dere. Aristobul bei Eus. pr. ev. XIII, 12. p. 667 C und häufig bei Philo und den Kirchenvätern. 4*

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