Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 51)
- Language
- German
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49 ist eine Lehre, die in ihrer Einfachheit keiner 'Erklärung bedarf. Um so auffallender aber muss es uns erscheinen, dass die Seele in unserer Schrift als ein materielles Wesen erscheint. Denn nur als ein solches kann sie nach ihrer Scheidung vom Körper cFeuerstrafen ausgesetzt sein, die nimmer ein Ende nehmen5 (292, 1). Aber gerade hier steht der Verfasser auf dem Boden der Stoa, der ja die Seele ein feuerartiger oder luftartiger Körper war *), und mit der Stoa stimmen auch die Epikureer überein2), um andere philosophische und theologische Lichtungen, die hier angeführt werden könnten, zu übergehen. Von der Einwirkung natürlicher Verhältnisse auf seelische Zustände erzählt uns Ps. Josephus 293, 19 f. 294, 7. Diesen Stellen zufolge hat er angenommen, dass eine Gleichheit äusserer Bedingungen eine Gleichheit der Denkungsart bewirke, und dass schon der organische Zusammenhang, der zwischen Brüdern besteht, eine Harmonie ihrer Seelen, die Bruderliebe erzeuge. Die spärlichen Bemerkungen über das Wesen der einzelnen Seelenthätigkeiten selbst sind von Ps. Josephus so innig mit seinen ethischen Lehren verschmolzen, dass es unmöglich ist, sie aus diesem Zusammenhänge zu lösen, ohne wesentliche Punkte zu übergehen, oder Unwesentliches zweimal zu sagen. Dem Beispiele des Verfassers zu folgen empfiehlt sich aber um so mehr, als jene Verbindung des Ethischen und Psychologischen aus seiner Grundanschauung über des Menschen Denken und Handeln hervorgegangen ist. Das Denkvermögen des Menschen in seinem weitesten Umfange bezeichnet Ps. Josephus mit dem Ausdrucke Geist (νους); aus ihm gehen die Funktionen des theoretischen und praktischen Denkens hervor (271, 22. 274, 18); er herrscht selbst innerhalb der Sinneswahrsei es von Schicksalen, Schmerzen, oder irgend welchen Verhältnissen. (Theophr. hist: pl. V, 7, 2. caus. pl. I, 6, 2, 4. Sap. 7, 3. A. G. 14, 15. Jak. 5, 17.) Die Märtyrer erinnern hier recht passend den Tyrannen daran, dass sie alle dieselben Empfindungen haben und auch den Schmerz in gleicher Weise fühlen. Bedeutet ομοιοπαθής das letztere, so würden sie ihn durch die Erinnerung an das Allen gemeinsame Menschenloos zum Mitleid stimmen wollen, κοινά πάθη πάντων sagt in diesem Sinne Ps. Phokylides v. 27. Grimm z. St. scheint beide Bedeutungen vereinigen zu wollen. *) S. die zahlreichen bei Zeller IV9 179 f angeführten Belege. 2) Zeller a. a. 0. p. 372. 385. 4