Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2720904-2720927--044-2722254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
43. Bibel lehrt, dass unser Verfasser eine Vereinigung dieser Gegensätze mit Recht für unmöglich halten musste und keinen Versuch wagte, durch allerlei · Deutungskünste einen Bund zwischen Gegnern zu schliessen, die unversöhnlich einander gegenüberstauden. In der ganzen Schrift findet sich Nichts, was der biblischen Lehre von Gott und seinem Verhältnisse zur Welt widerspräche. Gott ist cder Seiende3 (ώ ών 279., 25). Dieses, den griechischen Philosophen wie kaum ein anderes geläufige Wort setzen ja schon die verschollenen Uebersetzer der Bibel an die Stelle der dunkelen Worte Exod. 3, 14 und der sehr klaren Jerem. 14, 13. 32, 17. (39, 17 LXX); und 'den Seienden3 nennen Gott mit besonderer Vorliebe auch die Männer, welche später griechische Philosophie und biblische Anschauungen zu versöhnen suchten: der unbekannte Verfasser der Sapientia (13, 1) und Philo an unzähligen Stellen. Gott ist ferner unserem Ps. Josephus 'der Schöpfer der Welt3 oder 'des Alls3 (279, 28. 290, 2 ο τον κόσμον κτίστης1); 6 πάντων κτίστης)-). Insbesondere ist die Schöpfung des Menschen sein Werk (274, 16. 299, 15. 303, 6). Von Gott hat der Mensch sittliche und geistige Anlagen (274, 17) und alle Güter des Lebens empfangen (299, 15); von ihm stammt der Geist, der über alle Gemitthsbewegungen herrschen (274, 18) und das Gesetz, das die Richtschnur menschlichen Handelns und die Stütze menschlichen Denkens sein soll (279, 9. 26. 281, 24. 284, 2 u. sonst); von ihm hat auch der Tyrann seine Herrschaft erhalten, die er in so schrecklicher Weise gegen die Verehrer Gottes anwendet (291, 30). Keine Lehre ist vielleicht eindringlicher von den jüdischen Hellenisten verkündet worden, als diese, dass Welt und Geist und Schicksal des Menschen von Gott abhangen. Es giebt kaum eine Schrift aus diesem Kreise, die nicht von dieser Lehre Kunde gäbe. Nur darin weichen die einzelnen Schriftsteller von einander ab, dass die einen l) Hier ist zu lesen κατά φνβιν ημΐν βνμπα&εΐ νομο&ετών 6 του κόβμον κτίατης και τά μεν κτί. ~2) In diesen oder in ähnlichen Ausdrücken begegnen sich wieder auf Grund der griechischen Uebersetzung von Gen. 14, 19. 22. Deut. 4,32. ip. 88, Ϊ2. der Verfasser des Aristeasbriefes (p. 105 Hacerk.), der Sapientia (1, 14. 9, 1. 11, 18. 13, 3) und des zweiten MB. (1, 24. 7, 23. 13, 14), Sirach 18, 1. 23, 20. 24, 8. 43, 33. Vgl. Jos, Ant. 1, 1, 1 ff.