Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 44)
- Language
- German
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42 Uebereinstimmung mit stoischen Lehren. Aber schon die äussere Form der Schrift, die kunstvoll gebauten Sätze und die zierlichen Redewendungen liegen nicht im Charakter der Stoa, die dergleichen als unnützen Tand verpönte. Erst Spätere wie Posidonius und Seneca wollten zugleich Stoiker und Redekünstler sein. Noch entschiedenere Abweichungen von der strengen Schule weist der Inhalt der Schrift auf. Unter den vielen Richtungen innerhalb der Stoa ist keine, der auch nur seine psychologisch-ethischen Anschauungen ganz entsprächen-, denn Ps. Josephus will, bevor er Philosoph ist, vor Allem ein Jude sein. Ueberall zeigt er die innigste Anhänglichkeit an seine Religion und an sein 'Vaterland3. Ihm ist es ein gar grosses Vergehen, dass auf der Akra von Jerusalem von den Grieehlingen eine Ringschule errichtet ward (277, 20); die· Vernachlässigung des Opferdienstes (277, 22) verdiente eine schwere Züchtigung; er weiss Nichts von dem Weltbürgerthum Philo’s und der Stoa, sondern steht starr in dem engen, kräftigen Patriotismus seines Volkes. Er hält fest an dem Buchstaben der Schrift, an der Lehre von Wundern und unmittelbarem Eingreifen Gottes in die menschlichen Geschicke, und alle Grossthaten der Vorfahren finden in ihm den glühendsten Bewunderer und Lobredner. Ein solcher Mann konnte unmöglich dem Determinismus der stoischen Moral zustimmen; er konnte einem Systeme nicht überall folgen, dessen Consequenzen, von den strengeren Anhängern mit eiserner Starrheit gezogen, dem wirklichen Leben wie der biblischen Religion gleich fern standen; er musste die Freiheit des Urtheils einem Systeme gegenüber sich wahren, dessen Häupter Weibergemeinschaft und Knabenliebe vertheidigten, Lügen und Selbstmord unter Umständen für erlaubt hielten1). Wenn demnach grössere Differenzen zwischen Ps. Josephus und der Stoa schon in der Ethik bestehen, so scheidet eine geradezu unausfüllbare Kluft von der stoischen Physik einen Jeden, der, im Gottesglauben der Juden grossgezogen, den wesentlichen Inhalt desselben sich nicht vernichten und nicht verflüchtigen lassen wollte. Denn trotz der stoischen .Lehre von göttlicher Vorsehung, trotz ihrer oft kleinlichen Teleologie stand ihr Materialismus und' Hylozoismus in so schroffem Gegensätze zu Allem, was über Gott, Welt und Mensch die q Vgl. Zeller IV3 258, 3. 261.