Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
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39 gar Verspottung und. Missachtung der Schrift1) und unbedingte Verehrung des Buchstabens2); allegorisirende von griechischen Ideen durchtränkte Schriftdeutung3) und Studium des jüdischen Gesetzes durchaus in der Methode der palästinensischen Schulen4); die lautere Unsterblichkeitslehre, wie sie Platon giebt5) und der Auferstehungsglaube in der krassesten Form6); der lauterste Monotheismus7) und die Lehre vom Teufel8); die Schöpfung aus Nichts9) und die Umbildung der Welt aus einer formlosen Materie10); krasse Verkörperung Gottes1X) und die rein geistige Auffassung seines Wesensia), alle diese so weit von einander abweichenden Elemente treten dicht neben einander, oft in demselben Buche auf und spotten jedes Ver- >) s. Philo 450, 15. Π, 26, 30. 587, 22. Quaest. in Gen. ΙΠ, § 48. 2) s. Philo 146, 43. 397, 37. 636, 8. 3) Ueber allegorische Deutung der Schrift vor Philo s. oben S. V. 4) Die Stellen, welche von einem innigen Verkehr zwischen den Schriftgelehrten Palästina’s und Alexandriens Kunde geben, hat zum Theile Rapoport (Erech Hillin 101 ff. Vergl. auch Frankel Monatsschr. 1867. p. 245) gesammelt. Dass auch in Alexandrien die Schrifterklärung der Palästinenser blühte, beweisen Stellen wie Talin. Jerus. Kiddusch. 64, 4. Talrn. Babyl. Niddah 69 b f. Die höchst charakteristische Erzählung von den zwölf Fragen, welche zum Theil ernsten, zum Theil scherzhaften Inhaltes an letzterer Stelle die Alexandriner demR. Josua ben Chanania vorgelegt haben, entspricht gänzlich den Verhältnissen des Ortes und der Zeit. An der Wahrheit derselben ist daher nicht zu zweifeln. Die Alexandriner aber, sei es aus diesen, sei es aus andern Gründen als Pharisäer anzusehen, wie es Grossmann in seinen Abhandlungen de Phar. Jud. Alex, thut, ist ganz verkehrt. Nach Allem, was in neuerer Zeit über sie geschrieben worden ist, wird man nicht anstehen dürfen, in Pharisäern und Sadducäern Parteien zu erblicken, deren Gegensatz nur auf dem Boden Palästina’s seine Bedeutung hat. 5) In der Sapientia an zahlreichen Stellen. 6) Im II MB. ungemein häufig. Vgl. auch Ps. Phokylides v. 104. Bernays Ueber das Phokyl. Ged. p. IX. 7) Belege hierfür liefert die Sapientia in grosser Zahl. 8) Ps. Philo de Samps. § 1 (S. auch Philo II, 650); Sap. 2, 24 (von Graetz als Interpolation angesehen III2 444). IV MB. 302, 7 ist sicher spätere Zuthat. Die Stellen in Sirach 21, 27. %m Henochbuch (häufig), in der ass. Mos. 14, 29. Volkm. X. 26 Iiilg. und in anderen ursprünglich hebräisch geschriebenen Büchern ergeben keinerlei Aufschlüsse über den Ideenkreis der Hellenisten. 9) H MB. 7, 28. 10) Sap. 11, 18 (s. auch Philo 89, 24. II, 625). n) Philo quaest. in Gen. IV, § 2. 12) Belege sind auch hier unnöthig.