Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
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38 Doch geradezu verhängnissvoll für die Auffassung unseres Buches war das Vorurtheil, mit dem Dähne, Gfrörer und Andere an die nichtphiionischen Schriften dieses Literaturgebietes herantraten. Philo galt ihnen für den einzigen echten Repräsentanten der calexandrinisehen Religionsphilosophie/ wie man sie nannte; in seinen ctheosophischen Anschauungens sah man, die Grundlehren der gesammten jüdisch-hellenistischen Theologie. Mit allen Künsten einer gewaltsamen Interpretation, oft mit Nichtachtung des Zusammenhanges, des Wortlautes und der Grammatik ward in die fertige Form gezwängt, was von spärlichen Ueberresten jener Zeit uns gehliehen ist; eine wahre Hetzjagd auf Allegorien, auf die Mittelwesen un(l andere Lehren Philo’s ward in den LXX, den apokryphischen und sonstigen jüdischhellenistischen Schriften angestellt und auch unser Büchlein entging dem Schicksal nicht als Vertreter der Calexandrinischen TheosophieJ von Dähne und noch entschiedener von Gfrörer im Triumphe aufgeführt zu werden1). In Wirklichkeit aber liefern die Ueberbleibsel dieser Literatur, soweit sie nicht phiionischen Ursprungs sind und alle verbürgten Nachrichten, welche uns über die theologischen Richtungen, nicht bloss der Alexandriner, sondern der jüdischen Hellenisten insgesammt Kunde geben, ein Bild, das von den verschiedensten religiösen und philosophischen Meinungen gefärbt ist. Ein ziemlich flacher Rationalismus2) und die Keime der mystischen Lehren Philo’s3); Verflüchtigung des Gesetzes zu blossen Hüllen eines angenommenen tiefem Sinnes oder ' b Ein Mann wie Zeller konnte dies unwürdige Spiel natürlich nickt mittreiben; aber über der richtigen Erkenntniss des Ganzen verlor er die rechte Schätzung des Einzelnen. Weil die religionsphilosophischen Schriften der jüdischen Hellenisten nicht die Lehre Phüo’s enthielten, sind sie in Zeller’s grossem Werke, das doch nun einmal auch mit der jüdischen Religionsplnlosophie sich befassen wollte, gar nicht zu ihrem Hechte gelangt, natürlich mit Ausnahme der Essäer und Therapeuten, dieser enfants cheris der Theologen seit des Eusebius Zeiten. 2) Ps. Aristeas p. 116 ff. Haverk. 3) In den Fragmenten Aristobuls. Die Lehre, dass nur das Gute von Gott komme (bei Eus. pr. ev. XIII, 12. im Ιερός λόγος v. 13. p. 665 A ed. Paris 1628), die pythagoreisirende Deutung der Siebenzahl (das. 667 Af. 668 B), die pantheistische Anschauung (das. 666 B1), seine in philonischem Stile gehaltenen Aeusserungen über βοφία (das. VH, 14. 324 A und ΧΠΙ, 12. 667 A) können trotz Zellers Einsprache (V* 222) nicht wohl anders bezeichnet werden.