Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 38)
- Language
- German
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36 ist auch dies zufällig,, dass die jüdische und die älteste kirchliche Beredsamkeit in gleicher Weise den 'Lobreden3 insbesondere den Lobreden auf die Märtyrer3 und den Casualreden sich zugewendet haben* *). Bedenken wir ferner, dass die Beziehungen zwischen den jüdischen Hellenisten und den Vätern der alten christlichen Kirche nothwendig viel inniger gewesen sein müssen, als zwischen diesen, von denen nur sehr Wenige Hebräisch verstanden, und den palästinensischen Juden, die keine formgerechten Vorträge hielten; gehen wir zu, dass aus älteren jüdischen Beden noch gar Mancherlei als Excerpt in christlichen Predigten versteckt sein kann, das aber bei der ganz allgemeinen Gewohnheit der Bedner nicht zu citiren unerkannt bleiben wird — sowie ja auch Niemand die Homilien Philo’s und die Predigt unseres Ps. Josephus’ in den Beden eines Origenes, Chrysostomus, Ambrosius und Anderer wiedergefunden hätte, wenn die Originale nicht gerettet wären —; räumen wir ein, dass eine Entlehnung kirchlicher Formen für den synagogalen Gebrauch hier schon darum abzuweisen ist, weil die jüdische Predigt mehr als anderthalb Jahrhunderte vor Origenes geblüht hat, dass dagegen der christliche Gottesdienst ursprünglich ganz auf jüdischem Boden stand und eine wenigstens theilweise Entlehnung gewisser Predigtweisen auch für eine spätere Zeit nichts Auffallendes hat; müssen wir endlich anerkennen, dass eine Nachahmung jüdischer Beden in christlichen Homilien und Predigten thatsächlich und-unbestreitbar vorliegt: so wird die Behauptung als eine wohlbegründete erscheinen, dass die christliche Kanzelberedsamkeit den Schritt von den einfachen Vorträgen der ersten zwei Jahrhunderte zur künstlicheren Homilie und zur formvollendeten Predigt nicht ohne Beihilfe der jüdisch-griechischen Beredsamkeit gethan hat. Gelobt sei der Name Gottes, der uns das Gesetz und die Gebote gegeben hat durch Moses unseren Lehrer zur Belehrung seines Volkes, des Hauses Israel.’ rrn rvnyh nd^ im προ vr hy Nrmaoi Nivnw um πη'Ίρη nw *p3) Auf diese Stellen hat mich Herr Dr. Graetz aufmerksam gemacht. *) S. Paniel a. a. 0. p. 140. 280 ff. Ueber jüdische Casualreden s. Nöte 5.