Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
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27 wo das griechische Sprachgut für jüdische Anschauungen keinen Eaum hot, und so der biblischen Gottes- und Weltanschauung einen neuen Sprachleib geschaffen. Dieser merkwürdige Umwandlungsprocess hat in der griechischen Bibelübersetzung begonnen, spinnt sich fort in den apokryphischen Büchern des Alten Testamentes und wird unaufhaltsam weiter geführt bis zum Griechisch des Paulus herab. Unseres Ps. Josephus Schrift ist von dieser sprachlichen Revolution nur flüchtig berührt worden. Niemand wird es den Begriffswandlungen, die Worte wie etwa πίστις und δικαιοσύνη erfahren haben, an die Seite stellen, dass ihm ευσέβεια (283, 29. 288, 14), άρετη (288,18. 289, 7), φιλοσοφία (279, 20. 284, 2), 'Frömmigkeit,* 'Tugend,* 'Weisheit,* im jüdischen Sinne der Worte bedeuten; dass er ein ουράνιος στρατός (277, 6) *) nach Analogie von &εοϊ ουράνιοι; ein έξ όλης καρδίας (283, 30)1 2) nach εκ καρδίας, άπο καρδίας gebildet hat. Vereinzelt steht κοινόω (283, 5), das in den LXX vermieden, aus dem NT. in der Bedeutung von Kteü hinlänglich bekannt ist. Mit Wahl3), Fritzsche4) und Andern in σαρκος πά&η (283, 31) aber einen Hebraismus zu finden, ist ganz unstatthaft; denn gar häufig ist in den philosophischen Schriften der nacharistotelischen Zeit σάο'ξ in dieser Verbindung gebraucht worden5). Trotz dieser verhältnissmässigen Correctheit auf der einen Seite zeigt das Lexicon des Verfassers in vielen andern Beziehungen den ganzen Verfall und die Geschmacklosigkeit seiner Zeit. Die reizende Feinheit und die sinnliche Kraft des attischen Griechisch ist ja in der ungleichartigen Mischung der'Gemeinsprache* längst verloren gegangen und mit ihr das Gefühl für die gediegene Frische der einfachen Wörter. Während der reiche Wortvorrath der alten Prosa immer mehr einschrumpft, will zum Ersätze eine zügellose Neuerungssucht durch eine unmässige Menge 1) Uebersetzung von CPD^n 2) Uebersetzung von 3^ 3) a. a. 0. s. v. 4) Zu Köm. I. p. 381. 5) Zeller irrt, wenn er IV2 405, 2 angiebt, dass 'den Ausdruck ΰάρξ fdr den Leib im Unterschiede von der Seele zuerst Epikur aufgebracht habe.* In einem Fragmente $es vor Epikur lebenden Pythagoreers Hipparch findet sich sogar schon αάρχινοι αν&ρωποι. Mull. fragmt. Philos. II, 17 a.