Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
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24 der Schilderung bei so gleichförmigem Stoffe, wie die Abwechslung in der Färbung der Sprache. Die Reden, die der Verfasser jedem Einzelnen der Heldenbrüder in den Mund legt, sind in einfach gegliederten, oft unangenehm kurzen und meist asyndetiseh neben einander gestellten Sätzen geschrieben, die Betrachtungen und Excurse des Predigers dagegen "in runden Perioden und im schwungvollen, oft geradezu schwülstigen Tone einer Leichenpredigt (284, 6—295, 4). Der Eindruck, den die Erzählung der Mafterscenen auf uns macht, ist ein durchaus unangenehmer. Die Bewunderung, welche der Heldenmuth der Brüder erweken soll, geht in dem Mitleid unter, das ihre Leiden erregen. Keine Kunst des Redners vermag uns über das blutige Schauspiel hinwegzuheben, das er mit der gewissenhaftesten Ausführlichkeit beschreibt. Wir sind froh, wenn wir diese Schreckensscenen vergessen können; zum zweiten Male liest sie gewiss Keiner, den nicht ein besonderes Interesse zu ihnen hinführt. Zur Entschuldigung des Verfassers mag es dienen, dass die trübe Gegenwart ihm solch einen Stoff und solch eine Ausführung desselben nur zu nahe legte; dass die griechische Kunst längst nicht mehr das Schreckliche mied, sondern es geflissentlich aufsuchte, und dass endlich — die alltäglich gewordenen grausamen Circusspiele beweisen es — die Zeitgenossen des Verfassers eben viel stärkere Nerven gehabt haben müssen, als uns von der Natur gegeben sind. Dem strengen Plane gemäss wendet sich die Rede erst jetzt zu der Mutter der Kinder (295,4—300, 14). Die Sprache bleibt durchgängig pathetisch wie in dem vorausgegangenen Excurse, denn eine eigentliche Erzählung des Martyriums der Mutter wird vom Verfasser nicht gegeben. So häufen sich denn auch hier Tropen und Figuren; die Gluth der Sprache steigt auf eine bedenkliche Höhe; unmöglich können die Zuhörer dem Redner durch diese gedehnte, von Exclamationen, Gradationen,. Apostrophen und sonstigem Pompe der Declamation geschwellte Sprache mit Aufmerksamkeit gefolgt sein. Fast unmerklich wird endlich die Rede in den Epilog1) hinübergeleitet. Er beginnt mit einer meisterhaften Recapitulation. Auf einem Grabsteine lässt er verzeichnen (300, 20 ff.), was den Inhalt der Rede v bildete: *) Ueber den unsäglich zerrütteten Text des Epilogs s. Note 9.