Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
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20 Sclion dieses dürre Gerippe mit seiner aus den verschiedensten Elementen hunt zusammengesetzten Gestalt, mit der seltsamen Verbindung einer gut biblischen Doxologie und einer schulgerechten partitio oder amplificatio , kann das geistige Doppelleben einer Zeit kennzeichnen, die auf allen Gebieten des Lebens. zwischen den Gegensätzen von Griechenthum und Judenthum rastlos sich bewegte. Nichts kann aber auch so sehr wie diese wohl durchdachte und bis auf zwei unbedeutende Punkte1) streng durchgeführte Disposition den kunstvollen Bau der Bede, die bewundernswerte Technik des Verfassers und die strenge Logik seiner Gedankenfolge veranschaulichen; ja so genau passt in diesem planvoll angelegten Schema ein Theil zum andern, so innig greifen die einzelnen Stücke desselben in einander, dass es selbst als ein nicht verächtliches Werkzeug für die Kritik angesehen werden kann. Was, wie die Absätze 270, 11—17. 302, 3—28 in diesen Bau sich nicht fügen will, das ist als Interpolation auch abgesehen von allen übrigen Gründen zu verdammen und was aus dem fein gegliederten Organismus so notwendig herauswächst, wie der Schluss der Bede (302, 29—303, 7), das ist schon hierdurch gegen die Verdächtigungen der Kritik geschützt. So reicht ein Blick auf diesen Plan hin, um zu verstehen, was Dähne2) unverständlich war, warum nämlich der Verfasser die Erzählung von den Leiden der Brüder nicht durch eine Bede der Mutter unterbrechen wollte. Alles, was diese angeht, kann dem Plane gemäss erst später im vierten Haupttheile der Lobrede (295, 4 ff.) berichtet werden. Wer aber die meisterhafte Leitung und Verschlingung der Fäden in diesem Pläne für zu gekünstelt hält, als dass ein ganzer Mann und ein echter Künstler nach ihm habe arbeiten können; wem diese pedantische lieber- und Unterordnung von Abtheilungen und Unterabtheilungen des heiligen Stoffes unwürdig zu sein scheint, dem ist nie zum Bewusstsein gekommen, was griechische Kunst, ihre unvergängliche Formenschönheit und ihre gewaltige Formenstrenge bedeutet; der wird auch über das nicht weniger kunstvolle Schema einer pindarisehen Ode oder eines aeschyleischen Chorgesanges den Stab brechen *) 274,1—6 bildet den Uebergang vom testimonium zum exemplum. ,303, 2—6 gehört streng genommen nicht mehr zur .commiseratio. 2) a. a. Ο. II, 198. ■