Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 19)
- Language
- German
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17 Rhetorik gezierte Predigt. Sie kündigt sich selbst in der oben angeführten Einleitung als eine Rede über die Frage an, ob die Vernunft alle Gemiithsbewegungen beherrschen könne. Zunächst wird nun das Thema ' durch eine psychologische Erörterung und Belege aus der heiligen Schrift (271, 18 bis 275, 30), sodann aber durch die Geschichte jener Helden erwiesen, die in den Tagen der Makkabäer die Macht frommer Begeisterung über alle Leiden mit ihrem Tode bezeugt haben. Eine solche Benutzung der Geschichte für moralische und rhetorische Zwecke ist bei den Griechen nichts Ungewöhnliches. Wir brauchen, um Belege hierfür zu finden, nicht bis zu dem cVater der GeschichteJ und seinem grossen, tief religiös gefärbten Werke hinauf zu gehen; noch in der römischen Kaiserzeit sucht ein vielgeschäftiger Eifer mit der historischen Moral die Lücken auszustopfen, die der Unglaube in die Sittlichkeit der Zeit gerissen hatte. In diesem Sinne schreibt der nüchterne Rationalist Diodor, der fromm gesinnte Plutarch. Bei den Juden aber ist die religiös-moralische Geschichtschreibung so alt wie diese selbst; auch die religiöse Lyrik durchweht jener Geist glaubensstarker Betrachtung der Vergangenheit, und mit nicht geringerer Kraft tritt er in dem nachbiblischen Schriftthume hervor. Man denke nur an die letzten Capitel von Sirach und der Sapientia, an die zahlreichen historischen Reflexionen in andern apokryphischen Schriften und an die apokalyptische Literatur mit ihrer Vorliebe für geschichtliche Scenerien. Wir haben nun an unserer Rede keine Homilie, in welcher der heilige Text und die Erklärung desselben noch zu keiner organischen Einheit zusammengegangen sind und mehr als Exegese, denn als Vortrag erscheinen, wie in den allegorisch-ethischen Schriften Philo’s. Sie ist auch keine an die Bibel unmittelbar sich anschliessende, wenn auch schon viel freier behandelte Erzählung historischer Thatsachen, wie sie die oben besprochenen Reden in Sampson und de Jona geben. Als der Schwerpunkt des Ganzen wird vielmehr, wie in den griechischen Rhetorenschulen, ein philosophischer Satz hingestellt. Dieser aber drückt die Geschichte der makkabäischen Heldenzeit nicht zu einer blossen Episode oder einem blossen Belege herab; die Erzählung von den sieben Heldenbrüdem, ihrem Lehrer1) *) Als solcher erscheint Eleasar 286, 25. 2