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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1869-01-01 · 1869 · p. Seite 15

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1869
Date
1869-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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15 liehen Jahrhunderts und noch viel später gänzlich unbestimmt waren, dass das II MB. ein Apokryphon als γραφή citirt1); dass ebenso Philo sich auf ein apokryphes wie auf ein kanonisches Buch beruft2), dass er sich selbst für inspirirt hält3) und damit den Unterschied zwischen kanonischen als inspirirten und apokryphen als nicht inspirirten Schriften gänzlich auf hebt; dass einer Angabe der apostolischen* Constitutionen zufolge das apokryphe Buch Baruch in den Synagogen öffentlich verlesen wurde4); dass der Judasbrief einen Vers aus dem apokryphen He nochbuch als προφψενμα anführt (v. 14) (wenn Grimm schon das Citat aus der ass. Mosis (v. 9) als vollgiltig nicht ansehen will); dass Origenes, der das H MB. aus dem Kanon weisen will5), es dennoch selbst an einer andern Stelle mit den Worten anführt: nt etiam ex scripturai'um auctoritate haec ita se habere credamus etc.6). Und bei solchem Schwanken der Ansichten hätte ein Prediger Anstand nehmen sollen, das H MB. zu benutzen? Aber cdas gemischte Synagogen-Publikum,* konnte es ceiner Predigt* folgen, die ‘für einen gebildeten Leserkreis* berechnet war? Nun, die Entwickelung der religiösen Beredtsamkeit bei den griechisch sprechenden Juden hat uns gelehrt, dass jenes ‘gemischte Synagogenpublikum* oder ein kleinerer Kreis von religiös gesinnten und philosophisch gebildeten Männern die Gewohnheit hatte, sich von der Predigt über gar schwierige religiöse und philosophische Materien belehren zu lassen. Diese vorzugsweise lehrhafte Tendenz behielt auch die ältere christliche Predigt zur Zeit ihrer höchsten Entwickelung bei. Gewiss setzen manche rein speculative Homilien des Origenes, die von dogmatischen Spitzfindigkeiten erfüllten Predigten eines Athanasius oder Cyrill von Jerusalem und die philosophisch gefärbten eines Gregorius von Nyssa und Nazianz ein ganz anders geartetes oder gewöhntes Publikum voraus, als das heutige ist. Und warum sollte das bei alledem ‘sehr gemischte* Kirchenpublikum7) für J) Vgl. Grimm’s eigene Angabe zu Π MB. p. 54. *) Π, 426, 11 ff. 3) 143, 35 ff. 4) Const. apoat. V, 20. S. Note 7. 5) Bei Euseb. h. ecci VI, 25. 6) de princ. 79 A. opp. tom. I. ed. de la Bue. *) s. Paniel Gesch. christl. Kanzelbereds. p. 334 ff.

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