Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
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14 'einer Judäischen predigt.3 Bei’ Grimm dagegen ist die richtige Erkenntniss wieder gänzlich verloren gegangen. Er fügt den Worten Ewald’s Folgendes hinzu1): cUnd in der That hat die Schrift gleich ceiner Predigt in dem Lehrsätze von der Vernunftherrschaft über die 'Affecte ihr bestimmtes Tfliema^ das der Verf. nach verschiedenen cSeiten hin ausführt und begründet. Der Abschnitt 2 Macc. 6,18—7,41 clässt sich als der Text bezeichnen, aus welchem das Thema abge- Teitet und begründet wird. Der Ausdruck Predigt kann und soll caber natürlich nur die Form der Schrift charakterisiren, keineswegs 'dieselbe als wirklich gehaltenen Synagogenvortrag bezeichnen (was 'auch Ewald mit jenem Ausdruck gewiss nicht beabsichtigt hat). 'Denn wie hätte ein solcher Vortrag über den Abschnitt eines apo- 'kryphischen Buchs gehalten werden dürfen, ganz davon abgesehen, 'dass die Schrift auf einen gebildeten Leserkreis berechnet ist und 'für ein. gemischtes 'Synagogenpublikum ganz ungeeignet gewesen 'wäre! Nur eine zum Lesen bestimmte Bede wollte der Verf. geben.3 Die Schwäche dieser Beweisführung Griumfs liegt auf der Hand. Nehmen .wir einmal als zugegeben· an, was erst Gegenstand einer genaueren Erörterung werden muss, dass die Erzählung des zweiten MB. unserer Schrift zum Grunde liege, heisst denn das schon, dass sie als Text benutzt worden sei? Ist es nicht etwas durchaus Anderes, ob ein Prediger irgend eine Schrift als historische Quelle oder als Text d. h. als heilige Grundlage seiner Bede ansieht und verwendet? Nur das Erste aber erlaubt sich unser Verfasser, er webt künstlich und ohne auch nur zu citiren Stücke aus der alten Vorlage in die eigene Darstellung hinein, und erst eine genaue Vergleichung beider Schriften lässt den Leser die Entlehnung erkennen. Was aber in aller Welt hätte einen Prediger, der die Makkabäergeschichte seinen Zuhörern erzählen wollte, hindern können, ein apokryphes oder profanes Schriftwerk in dieser Weise zu benutzen, da doch nun einmal kein kanonisches Buch — das Buch Daniel natürlich ausgenommen — dieser Ereignisse Erwähnung tliut? Sodann aber weiss Grimm, der Erklärer mehrerer apokryphen Schriften des A. T. recht gut, dass die Grenzen zwischen apokryphen und kanonischen Büchern bei den Hellenisten des ersten nachchristb a. 0. S. 286.