Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
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11 aber, wie Dähne sie eine'Hochzeitsrede hat nennen können. Was ihn dazu bewogen hat, habe ich nicht entdecken können. Sicherlich nicht der Umstand, dass die Braut Simson’s heftig gescholten wird (§ 38 ff.), oder die vom Verf. gegebene Inhaltsangabe, die eine Erzählung der wunderbaren Thaten Simson’s ankündigt (§ 2), oder die Thafcsache, dass von der Hochzeit des Simson überhaupt darin die Rede ist, weil ja sein ganzes Leben beschrieben werden soll1 2). Die zweite Rede de Jona beginnt ebenfalls mit einer ganz leidlichen Einleitung und giebt dann eine umschreibende Erzählung des gleichnamigen Prophetenbuches. Auch hier ist der biblische Bericht der Faden, auf den die geschichtliche Darstellung, die frommen Betrachtungen, die Reden der handelnden Personen aufgereiht werden. Die Rede endet nach jüdischer Gewohnheit ganz passend, wie das biblische Buch mit den tröstlichen Worten Gottes; ein eigentlicher Epilog fehlt. Die eingefügten Reden, die wie bei Philo in ungemeiner Menge und anspruchvollster Ausführlichkeit gegeben werden, zeigen übrigens, wie beliebt bei den Juden die öffentliche Rede geworden war. §§ 29—36 enthalten sogar eine in sich abgerundete, mit Einleitung und Schluss versehene, gut disponirte Busspredigt. Gar nicht unwahrscheinlich wäre es, dass diese Rede am Versöhnungstage in einer Synagoge gehalten worden ist; denn kaum lässt sich ein anderer Tag finden, der so vielen Anlass zu diesem Thema und zu dieser Ausführung des Thema’s bot. Zudem wird an diesem Tage das Prophetenbuch in der Urschrift noch heute und in der griechischen Uebersetzung ward es wenigstens in einzelnen jüdischen Gemeinden bis in das 16. Jahrhundert hinein3) in den Synagogen verlesen. Die Predigt verhielt sich demnach zu diesem Buche, wie etwa die frei paraphrasirenden aramäischen Targumim zu dem heiligen Texte3) und knüpfte also auch in dieser Beziehung an eine echt nationale Einrichtung an. Bestimmte Beziehungen aber zur Feier dieses Tages fehlen4). b Natürlich -wird Dähne die Worte § 80 0 viri, qui praesentes nuptias honoratis nicht zu seinen Grünsten anführen wollen, denn sie sind die Anrede Simson’s an seine Gäste, nicht aber die des Predigers an sein Publikum. 2) Grätz IX, 232. Ueber die Verlesung* von Threni und Barnch in griechischen Synagogen angeblich am Versöhuungstage s. Note 7: 3) Zunz G. V. p. 72. 344. 4) Erwähnung verdient, dass auch die Mahnreden an Fasttagen, deren M. Taanith H, 1 erwähnt, den Text aus Jona nehmen.