Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
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8 II. § 34). Und wenn es demnach als kaum glaublich erscheint, dass Philo nicht öffentlich-als Lehrer seines Volkes sollte aufgetreten sein, ist es denkbar, dass kein schriftliches Denkmal dieser seiner Tkätigkeit durch ihn selbst und keine Erinnerung an dieselbe durch die Kirchenväter sich erhalten habe? Dieser Schluss a priori erhält durch den Charakter der allegorisch-ethischen Schriften Philo’s seine Bestätigung. Alle die von Philo selbst für die religiösen Vorträge seiner Zeit angegebenen Merkmale passen auf sie vortrefflich. Sie sehliessen sich strenge dem Bibeltext an; sie haben jenen religiös-philosophischen, jedoGh meist ethischen Inhalt; sie haben endlich die allegorische Methode. Eigentkümlichkeiten der Sprache und des Stiles, die zahlreichen Anreden, Ermahnungen und selbst Aufforderungen zum Gebete, die wie in den Vorträgen der Palästinenser so auch hier stereotype Gewohnheit, fremde Schriftstellen zur Erläuterung des Textes anzufükren, einzelne Bezüge auf gottesdienstliche Einrichtungen, das Hervortreten von Beziehungen, welche nicht die eines Schriftstellers zum Leser, sondern eines Redners zum Publikum zu sein scheinen*), lassen ihre ursprüngliche Form durch die dünne Hülle, die sie als Bücher erscheinen lässt, und die Philo ihnen bei der Sammlung und Herausgabe übergeworfen hat, vollkommen klar durchscheinen. Nur wer dies zugiebt, kann es begreiflich finden, dass die streng an einen Bibelvers gebundenen exegetischen Schriften einen Ton anschlagen, den man vergebens in den verwandten alleg. exeg. Schriften der Griechen und in den Trümmern der alexandriniscken und pergamenischen Exegese zu hören erwarten wird, den die exegetische Schrift des Aristobul nicht keimt und der auch in den übrigen Schriften des Philo sich nicht findet. Nur diese Annahme erklärt es, dass in den eigentlich exegetischen Schriften, die für Juden bestimmt waren, der einfache Wortsinn durckgängigderpkilosopkisck-allegorischen Interpretation geopfert, in den für ein grösseres Publikum bestimmten Abhandlungen dagegen der einem nichtjüdischen Publikum oft sehr anstössige Buchstabe der Schrift neben der philosophischen Begrün- *) Man könnte sagen, dass auch die häufigen Wiederholungen in dieser Schriftenreihe das Gleiche erweisen, weil sie nur in Reden entschuldbar, in einem zusammenhängenden Werke aber um so auffallender wären, als Philp selbst (s. II, 358, 5. II, 378, 17) gegen das mäW.oyslv eifert, aber sie finden sich doch auch in den übrigen Schriften häufig genug.