Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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6 glaubwürdiger Nachrichten,' sondern noch heute uns erhaltene, in griechischer Sprache abgefasste, jüdische Homilien und Predigten treten als Zeugen für die Thatsache auf, dass lange Zeit vor dem Aufblühen der christlichen Kanzelberedsamkeit die religiösen Vorträge der Juden die klassischen Formen Griechenlands sich zu eigen gemacht haben und ihrerseits nicht ohne Einfluss auf die Entwickelung der christlichen Predigt geblieben sind. Es handelt sich hierbei nicht um eine jener armseligen Prioritätsstreitigkeiten, die, so vielen Staub sie aufwirbeln, nur Stäubchen der Literaturgeschichte sind; nein, das Verständniss unserer Schrift selbst ist bedingt von der Beantwortung dieser Frage. Zudem dürfte sie nicht ohne Bedeutung sein für die Erkenntniss des Ursprungs auch der christlichen Predigt, einer Institution, die ja in ihrer Neuheit und Eindringlichkeit eines der wichtigsten Mittel für die fast räthselhaft schnelle Umgestaltung der alten Welt gewesen ist. Aus doppeltem Grunde ist daher ein ausführlicher Nachweis hier am Orte. Es ist bekannt genug, dass wie in Palästina, dem Mutterlande der gottesdienstliche^ Vorträge, so auch in den zahlreichen, jüdischen cBethäusern;> der Hellenenstädte Vorlesungen aus der heiligen Schrift und Vorträge über dieselbe an Sonnabenden und Feiertagen gehalten wurden1). Mit nicht geringem Selbstgefühl heben das die jüdischen Schriftsteller hervor; ja Josephus stellt diese Einrichtung als einzig in ihrer Art den Bräuchen des Heidenthums gegenüber2). Wir wissen auch, welcher Art diese religiösen Vorträge gewesen sind. Sie schlossen sich den vorher verlesenen Perikopen an3); sie erklärten homilienartig die aus der heiligen Schrift vorgelesenen Verse4) und insbesondere einzelne Dunkelheiten in denselben5); sie waren religiösen, J) Hody de bibl. text. orig. p. 224. Vitringa de syn. vet. p. 120. 282 ff. 667 ff, Zunz G. V. 332. ff. 357. Frankel Vorstudien 48 ff 2) c. Ap. H, 17 Ende. Aut. IV, 8, 12. XVI, 2, 4. Philo 675, 29. II, 167, 48 ff H, 197,13 ff. H, 282, 13 ff. und die folgenden Belege. 3) Philo II, 458, 20, frgm. bei Eus. pr. ev. VIII, 7. Philo II. p. 630 unten. Wenn bloss von Vorträgen, nicht von Vorlesungen II, 282 , 8 ff. gesprochen wird, so rechtfertigt sich das leicht aus dem Zusammenhänge. - 4) Schwerlich lässt das '/taff’ haazov Philo II, 631, 1 eine andere Deutung zu. 5) Das Philo 675,29. H, 458,21 Gesagte gilt wie Anderes nicht bloss von den Essäern. Denn schon die Parallelstellen lehren, dass in diesem Punkte entweder die Bräuche der Essäer und Therapeuten denen der übrigen jüdischen Hellenisten glichen, oder dass,