Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
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4 I. Griechen und Römer haben religiöse Vorträge nicht gekannt. Sie, denen die Macht und der Zauber der Rede wie keinem andern Volke zu Gebote stand, welche die Kunst der Beredsamkeit zu nie wieder erreichter Höhe emporführten, haben es verschmäht, ihre religiöse Ueherzeugung in wohlgeordneten Vorträgen dem versammelten Volke darzulegen. Wie mächtig auch die Religion in ihrem gesammten bürgerlichen und staatlichen Lehen wirkte, keine der alten Gemeinden Griechenlands und Italiens hat von diesem Mittel der Belehrung, Erhebung und Tröstung je Gebrauch gemacht. Religiöse Handlungen übt das Volk an seinen Festen, religiöse Belehrung sucht und findet es nicht. Diese hat in solcher Form weder in dem Dunkel der Mysterien ihren Platz gefunden1 2), noch können die oft sehr profanen Declamationen der Sophisten, die von den Tempelstufen des olympischen Zeus herab an die Festversammlung sich wendeten3) oder die Unterweisungen frommgesinnter Philosophen, welche die Zurückgezogenheit des Heiligthums suchten3) oder die heiligen Prunkreden eines Aelius Aristides etwa diese Lücke füllen. Fremde aber, den Gegnern entlehnte Waffen sind es, mit denen Julianus Apostata die längst überwundene Religion seiner Ahnen ausriistete. Die von ihm in den heidnischen Cult eingeführten religiösen Vorträge haben sich nur kurze Zeit behauptet und sind wirkungslos verschwunden, wie sie zusammenhangslos mit der Geschichte entstanden sind4). Dass im Volke der Juden frühzeitig gerade die religiöse Beredsamkeit ausgebildet worden ist, dass die Prophetenrede nichts ist wie die gewaltigste, eindringlichste, ursprünglichste Predigt, braucht nicht erwiesen zu werden, weil es nie geleugnet worden ist. Von den mächtigen Reden des sterbenden Moses an bis zu den eindringb Loheck Aglaoph. I. p. 135 ff. 2) Ueber die ’OXvgbmv.ol Xoyot s. Cresoll. ihealr. rhel. HI, 6. in Gron. thes. X. p. 97. 3) Jambl. v. Pyth. p. 97. Philostr. v. Apollon. I, 16. *) Greg. Naz. or. 3. adv. Iul. I. p. 103. D. ed. Par. 1630. August. De (Jiv. Dei II, 6. 26. ep. 202. Opp. tom. H, p. 825. Theodoret Therap. p. 49. Gaisf. S. Gibbon (ch. XXIH. note 40) und Schömann Gr. Alterth. II. p. 152. 381.