Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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89 war natürlich lauter Lug und Trug. Alles, was geschehen konnte, war, dass die drei Hauskabbalisten, die Brüder Schor-Wolowski aus Rohatyn und Dembowski (genannt Jerucham) aus Czortkow, abermals ein drohendes rothes Sendschreiben an die Gemeinden erliessen, gefüllt mit kabbalistichen Floskeln, worin unter Anderem gesagt wurde: „Der erste Jakob (der Patriarch) ist vollkommen, der letze aber (Frank) noch vollkommener, worauf auch der Sohar zielt, wenn er sagt: „Es wird ein Mensch kommen in Gestalt Adams und ein Weib wie Eva""1). Auch die beiden Söhne Frank's erliessen rothe Briefe in demselben Jahre ähnlichen Inhalts2). Die Gemeinden, welche solche Drohbriefe erhielten, zitterten; sie fürchteten von Seiten der Frankisten Denunciationen und Blutanklagen. Allein, das Alles war von keinem Nutzen für Eva. Sie reiste angeblich, noch immer mit grossem Gepränge, nach Venedig, vielleicht nur nach Dresden zu Wolf Eibeschütz, und Rochus ging angeblich nach Petersburg; beide kehrten aber mit leeren Händen, zurück. Die leichtgläubigen Offenbacher mochten noch immer nicht an die Schwindelei der Polackenfürstin glauben. Die Mutter des Herrn Schenck-Rinck, deren Vermögen in Eva's Händen zerronnen war, wandte sich an den Fürsten von Homburg, ihn um Hilfe anflehend, ihre Schuldforderung zu effektuiren, und der bethörte Fürst vertröstete sie: „dass Niemand bei der Familie Frank etwas einbüssen werde". Die Gläubiger wurden dadurch zu weiterer Geduld vertröstet. Bei dem Durchzuge des Kaisers Alexander durch Frankfurt (1813) mit den Verbündeten, welche Napoleons Sturz herbeiführten, wandte sich Eva um eine Audienz an ihn. Er bewilügte ihr auch in Folge dessen eine Zusammenkunft in Homburg; Einige behaupteten, der Kaiser wäre in ihrem Hause abgestiegen und hätte darin eine Zeit verweilt3). Sie scheint auch von ihm — durch Erinnerung an die Dienste, welche ihr Vater der Kaiserin Katharina geleistet'— ein Geldgeschenk erhalten zu haben. Denn der Hausbedarf wurde in dieser Zeit baar bezahlt und keine neue Schulden gemacht. Die Gläubiger konnten aber noch immer nicht befriedigt werden. Da 0 Bei Peter Beer a. a. 0. S. 332 — 339; vergl. auch oben S. 85 Anmerk. 2J Bei Skimb. p. 38 nach Raczynski. 3) Bei Schenck-Rinck S. 27 und 35. 7