Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
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88 wenn sie sich nicht zur edomitischen Religion bekehrten oder Gelder gäben. Der Anfang dieser Sendschreiben lautete stets: „Wisset, als unser heiliger Herr in der Pforte Roms weilte, hat er das und das prophezeit". Von böhmischen und besonders Prager geheimen Sabbatianern wurden auch Gelder nach Offenbach geschickt — auch Jünglinge wallfahrteten noch immer dahin — wahrscheinlich um sich der Rekrutirung zu entziehen. Der Prediger Eleasar Fleckels von Prag zog von der Kanzel gegen diese zunehmende Wallfahrt los (gegen das jüdische Neujahr 1798 und 1799): „Was wollt ihr in dieser kleinen Stadt (Offenbach) bei Menschen, die weder Juden noch Christen sind? . . . Wollt ihr dort das Waffenhandwerk erlernen? Da habt ihr doch die kaiserlichen Armeen und ihre Kriegeskundigen"1). Aber die eingegangenen Almosen von den Gläubigen reichten nur noch aus, um den Glanz der Hofhaltung Eva's vor Erbleichen zu schützen. Sie konnte noch in ihrem Viergespann fahren; aber die Gläubiger zu befriedigen, vermochte sie nicht, nicht einmal die Bäcker, Fleischer und andere Handwerker bezahlen, welche in blindem Glauben an die Solidität des frankistischen Hofes Waaren geliefert hatten3). Einige Creditoren, die sich nicht durch leere Versprechungen beschwichtigen lassen wollten, traten energisch auf und bedrohten die „heilige Jungfrau" und ihre Brüder mit Personalhaft. Da hatten diese die Kühnheit, in Offenbach eine Proklamation (17. Januar 1800) anschlagen zu lassen, dass sie bald Gelder aus Russland erwarteten: „Auf Allerhöchste Einladung seiner russischen kais. Majestät wird sich unser geliebter Bruder den 1. Juli nach St. Petersburg begeben und nach sechsmonatlichem Aufenthalte zurückkehren und unter militairischer Bedeckung einen solchen gehörigen Geld-Transport mitbringen, welcher alle unsere Gläubiger befriedigen wird . . . Diejenigen aber, welche unserem Namen einigen Schandfleck angethan, werden nach geschehener Auszahlung ihre gebührende Strafe öffenlich dafür erhalten". Das 0 Fleckels Predigt p. 26 a. 2) Aus dem Aktenstück bei Schenck-Ttinck S. 25. Alles Folgende ist dieser Schrift entnommen, deren Verf. gerade über diese Zeit durch seine Eltern gut unterrichtet ist.