Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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84 aus der Beschreibung, welche die Warschauer National- und Fremdenzeitung den 11. Januar 1792 davon gab, hervorgehoben werden: „Die Reichthümer dieses Menschen, von denen man nicht weiss, woher sie anwuchsen, die Menge von Leuten, die er sich hielt, und seine Lebensweise, erweckten bei Allen Neugierde. Heute kann man nur das von ihm wissen, dass er das Haupt einer Sekte war, welche im Orient ihren Ursprung hat und sich schon seit hundert Jahren ausbreitet. Die Grundsätze dieser Sekte sind noch nicht bekannt. Frank und seine Anhänger, die zum grössten Theile aus Polen, Griechen und Armeniern bestanden, besuchten den katholischen Gottesdienst, hatten aber ausserdem ihre eigenen Conventikeln". — Der Referent war nicht schlecht unterrichtet. Auch ein zweiter Punkt ist nicht unwichtig: „Vor Beginn des Zuges (mit Frank's Leiche) näherte sich jeder dem Körper, berührte nach jüdischem Brauche seine Füsse und bat um Verzeihung1) .... Alle Anwesenden warfen nach jüdischem Brauche eine Handvoll Erde auf das Grab". . . . Hätten Herrn Sehenck-Rincks Verwandte diese Ceremonien eben so beachtet, so hätte dieser nicht behaupten können: Frank's jüdische Abkunft sei ohne jeden Anhaltspunkt2). Thatsache ist es, dass bei Frank's Leichenbegängniss kein Geistlicher fungirt hat3). Mit Frank's Tode hörte der Schwindel noch nicht auf, seine Tochter setzte das Geschäft fort. Ihre zwei Brüder Rochus und Joseph zählten nicht. Hatte der Vater sie doch noch bei seinem Leben gewissermaassen zum Oberhaupt seiner edomitischen Kirche erkoren. Die Ordnung und innere Einrichtung blieben unverändert. Die drei frankistischen Greise fuhren fort, im Sohar zu studiren, typologische Deuteleien auf ihre Sekte zu suchen, auf die kabbalistischen Sephiroth hinzuweisen und den Bräutigam-König für die Jungfrau Emine oder die Sephira Tipheret zu suchen. Eva Frank war eine eben so schlaue Betrügerin wie ihr Vater. Auch sie gab vor, *) Bei Skirab. p. 35 fg. 2) Bei Schenck-Rinck S. 20. 3) Skimb. p. 36. Auch Schenck-Rinck giebt das Factum zu, dass bei Frank's Leiche kein Geistlicher fungirt hat (S. 20), zieht aber eine falsche Folgerung daraus.