Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 90)
- Language
- German
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82 demselben Wundermährchen dichteten, lüftete ein ehemaliger Frankist, der früher in Warschan nnd 1790 in Breslau wohnte, den Schleier dieses Geheimnisses ein wenig. In einer Schrift unter dem Titel: „Frank's Hof oder Politik der Neubekehrten von einem Neophyten aufgedeckt", klagte er Frank's Anhänger an: dass sie geheime Zusammenkünfte hielten, an Frank förmlich Stenern leisteten, dass sie ihre Frauen nur aus ihrem eigenen Kreise heimführten, nie zur Beichte gingen, Getränke fälschten und noch manches Andere sich zu Schulden kommen Hessen1). Der Anklagepunkt, dass die Frankisten sich nicht mit alten Katholiken verheiratheten, ist in der That begründet. Denn obwohl Frank in Offenbach hin und wieder den katholischen Ritus mitmachte, blieb er diesem Bekenntniss eben so fremd wie dem Judenthum und dem Mohammedanismus. Er warnte seine Anhänger, sich mit Christen zu vermischen: „Nichts führt so sehr von den göttlichen Wegen ab, als ein fremdes Weib. Die Israeliten werden mit der Taube verglichen (in einer Agada- Stelle), weil sie der Paarschaft treu bleibt. Wäret Ihr Brüder ohne Fehl, würdet Ihr Euch nicht mit anderen Gattungen (Familien) verbinden"2). Die verrätherische Schrift des Neophyten muss einiges Aufsehen gemacht haben; denn es erschien eine Gegenschrift von einem Frankisten3): „Antwort an Einen, der auf fremdes Gut neidisch ist und seinen Ruhm darin sucht, die Ehre seines Nächsten durch Veröffentlichung von Schriften zu verunglimpfen". Von diesem häuslichen Streit erfuhren die Offenbacher nichts; sie fuhren fort, Gross wie Klein, den fremdartigen Hof und seine Bewohner zu glorificiren und düpirten sich selbst. Indessen fühlte sich der podolische Gottmensch seinem Ende nah und seinen Hausstand durch Schulden belastet, und er machte noch eine letzte Anstrengung, um die Zukunft seiner geliebten Tochter sicher zu stellen. Er erliess ein Schreiben an seine polnischen Anhänger, vorgebend, dass er sie vor seinem Tode noch sehen möchte; er wusste, dass die Wohlhabenden unter ihnen nicht J) S. oben S. 6 Uo. VI, VII. 2) Nauhx F. p. 68 Ho. XXXII. 3) Bei Skimb. p. 80 No. 33.