Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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73 Kreisen aristokratische Manieren angenommen und sich die anziehende Geschmeidigkeit der Polinnen angeeignet zu haben. Ihr kalter Vater war selbst voller Bewunderung für die leuchtende Schönheit der Tochter. Sie zog er in seinen Calcul hinein. Aber, wenn sie für ihn wirksam sein sollte, musste sie gewissermaassen vorher kabbalistischconsecrirt, d. h. in dem mystischen System untergebracht werden. Wie fing Frank das an? Nach der soharistischen und lurjanischen Kabbala weist jedes Wesen und jede Thätigkeit auf ein Höheres hin und wirkt darauf ein. Die sabbatianische Mystik kehrte den. Satz um: jede höhere Idee oder alle göttliche Attribute verkörpern sich in einem irdischen Wesen. Frank brauchte daher nur seinen kabbalistischen Anhängern begreiflich zu machen, dass auch seine liebreizende Tochter die Verkörperung einer Idee sei, so war sie in dieses System eingereihet, und sie fanden sich mit ihr zurecht. Welche Idee sollte sie repräsentiren? Der „Glaube" die Emuna (oder nach jüdisch-polnischer Aussprache Emine) sei in die Hülle einer schönen Jungfrau eingegangen, und zwar in den Leib seiner Tochter1). Der prosaische Industrieritter Frank wird förmlich poetisch, so oft er von der Jungfrau, seiner Tochter, zu seiner Genossenschaft spricht. Jeder wird sie nach seiner Rangstufe sehen, je würdiger, desto schöner wird sie ihm vorkommen. „Sie wird die Brüder und Schwestern nehmen und sie mir übergeben"2). „Seitdem die Welt erschaffen ') Die Nauka Franko, sind voll von dieser Schrulle; fast auf jedem Blatt kommt Emine oder die Jungfrau (Panna) oder „sie" schlechthin vor. Dieses Räthsel wird durch einen Passus p. 66 gelöst. Das. heist es: „Ihr hättet hier zu mir in grosser Dcmuth kommen müssen, und sie (Emine) würde Euch lieb gewonnen haben, und jetzt wird sie sich auch der Welt offenbaren, und ihr Gang muss sein, dass sie durch meine Tochter kommt, und ihr vorbereitet seidj ihr zu dienen. Dass ein König komme, sie aus euren Händen zu nehmen, wie schon geschrieben steht: sieh' da, dein König kommt zu dir" (d. h. N3» "pk> rün Zachar. 9, 9). Wir werden weiter sehen, was diese letzte Phrase zu bedeuten hat. Es ist aber aus diesem und dem Folgenden unzweifelhaft, dass Fr. seine Tochter für eine Incarnation der Emine ausgegeben hat, und dass Emine bei ihm Emuna (HJ1DN) bedeutet. P. 54 No. XVIII wird sie Äjalte genannt (KD^N, die Gazelle), die im ßohar öfter eine Rolle spielt. 2) Nauka p. 52, 53.