Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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72 nach Polen gehen kann!""1) „Ich stellte Euch wie einen Spiegel hin", sprach Frank zu' seinen Aposteln, „der durchsichtig ist, ich selbst bilde die Unterlage des Spiegels, und Ihr wäret solche für die Genossenschaft und dann auf der ganzen Welt"2). Indessen, wie sehr er auch diese Genossenschaft bald durch Schmeichelei, bald durch Drohworte für seine egoistischen Pläne zu gewinnen trachtete, so haben sie es doch öfter an Gefügigkeit fehlen lassen und ihren blinden Gehorsam nicht zu seinem Dienste gestellt. Frank brauchte, um seine Rolle in den Augen der Aussenwelt als Fürst zu spielen, eine Leibwache, eine militairisch geschulte Schaar. Das war schon sein innigster Wunsch in Polen, ehe er verrathen wurde8). Er wusste recht gut, wie sehr eine militairische Eskorte imponirte. Die Mitglieder seines Kabbalisten- Ordens wollte er zu seiner Leibgarde machen und führte das militairische Exerciren für sie ein4). Allein die jüdischen Polen hatten vor dem Waffendienst Anfangs dieselbe antipathische Scheu wie vor der Taufe. Sie mit ihrer lässigen, linkischen Haltung sollten sich zur militärischen Dressur hergeben? Und wie vertrüge sich das mit der Kabbala? Ausserdem war Frank mit seinem herben, hässlichen Wesen nicht geschaffen, die Herzen zu gewinnen; er flösste eher Schrecken als Sympathie ein. Seine Anhänger mögen daher nicht selten einen rebellischen Sinn gegen seine Zumuthungen gezeigt haben. Da kam Frank auf einen Einfall, um von seinen Anhängern willigen, freudigen Gehorsam in allen Stücken zu erwirken. Seine Tochter sollte aushelfen. Seine Tochter Eva oder Awalejb war indess zu einer blühenden Jungfrau herangewachsen. Alle, die sie gesehen haben, geriethen in Verzückung beim Anblick ihrer Schönheit und ihres Liebreizes. In Polen während der Haft ihres Vaters in Czenstochow erzogen und von adligen Taufpathen protegirt, scheint sie in diesen 0 Das. p, 64 ffo. XXVI. 2) Das. p. 56 No. XX. 3) S. oben S. 60 Anmerk. 1. 4) Ein Augenzeuge, der selbst dem frankistischen Hofe angekörte, berichte^ dass die neuen Ankömmlinge stets militairischeinc^ccrcirt wurden. Siehe weiter unten.