Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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68 gewusst haben. Wie ich von mehreren glaubwürdigen Personen vernommen habe, welche mir Traditionen von älteren Personen über Frank mittheilten, galt er zu seiner Zeit als ein russischer Spion. Nur durch diesen Umstand ist sein Leben und Treiben bis zu seinem Ende erklärlich, besonders seine bedeutenden Geldmittel; sein geheimnissvolles Wesen und seine Verbindungen in Polen machten ihn ganz besonders für Spionage geeignet. Wohin sich Frank zunächst nach seiner Befreiung aus Czenstochow begeben und niedergelassen hat, ist nicht sicher, wahrscheinlich nach Brünn, wo er überhaupt eine lange Zeit weilte und heimliche Anhänger in der Nähe hatte1). In Polen selbst hat er sieh wohl schwerlich öffentlich gezeigt, da er in diesem Lande rechtskräftig als apostasirender Ketzer verurtheilt war. Seine Haupt- Anhänger aus Polen fanden sich aber sofort zu ihm ein. Er empfing sie, noch voll von Rachegefühl gegen diejenigen, welche ihn früher wissentlich oder naiv verrathen hatten, äusserst barsch und fuhr sie mit den Worten an: „ich werde Euch den Kopf abhauen"2). Unterdess siegte doch seine Klugheit über seine Gereiztheit und weit entfernt, sie abzustossen, suchte er sie durch alle Mittel an sich zu fesseln. Freilich konnte er nicht die Hunderte seiner Sekte um sich sammeln-, er verkehrte daher nur mit den Hervorragenden, namentlich mit den zwei Brüdern Schor - Wolo wski und Jemerdski Dembowski (früher genannt Jerucham b. Lipman aus Czortkow). Sie sandte er nach Polen3), einen Aufruf an die Juden ergehen zu lassen, sich zu taufen, oder vielleicht Kundschafterdienst zu treiben. Diejenigen Frankisten, welche in Folge ihrer Taufe *) In Nauha F. bei Skimb. p. 66 heist es: „aber jetzt dulde ich in Brünn für Euch andere dreizehn Jahre". DaFrium 1788 in Offenbach eintraf, so muss er mindestens von 1775 an daselbst geweilt haben; die dreizehn Jahre sind vielleicht nicht continuirlich zu zählen, da er inzwischen auch in Wien lebte, wie auch in Nauha angegeben ist, bei Skimb. p. 45 V. Nauka p. 57: „Als ich aus Czenstochow ging, sagte ich, dass ich Euch den Kopf abhauen werde; aber Gott behüte, dass ich das thäte: ich bin nicht gekommen, um Jemanden zu erschlagen, nur um Euch zu demüthigen, damit Ihr für die Genossenschaft ein Schrecken seid". 3) S. oben S. 67 Anmerk.