Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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69 eine gesicherte Lebensstellung erlangt hatten, blieben natürlich in ihrer Heimath und bewahrten ihm nur einen geheimen Cultus, wenn sie nicht ernüchtert waren. So wallfahrteten nur solche zu ihm, die nichts zu verlieren hatten oder excentrische Naturen oder Wanderlustige, ein armes Gesindel von dem Schlage derer, welche man Po lacken zu nennen pflegt, Abenteurer mit christelnden Allüren und jüdischpolnischem Jargon. Aus der Noth machte Frank eine Tugend. Als er einst gefragt wurde, warum er Einfaltige und Unverständige zu seinem Gefolge auserwählt hat, antwortete er: „Was wäre das für eine Kunst, wenn Gott mit Weisen und Gelehrten die Welt leiten wollte? Er will aber mit den Niedrigsten und Geringsten in die Welt treten, damit von solcher Grundlage aus sich seine Kraft offenbare"1). Diejenigen, die sich Frank eng angeschlossen haben, nannte er Brüder und Schwestern und den Anhang die Genossenschaft (Chebra) oder das Lager (Machneh2). Wiederholentlich ermahnte er sie, ihm in Allem zu folgen, an ihn, als einen Gottgesandten, zu glauben und warnte sie vor Verrätherei3). Gehorsam gegen ihn, unbedingten, blinden Gehorsam predigte er ihnen immerfort als die höchste Tugend. Selbst wenn er ihnen befähle, die niedrigsten Dienstleistungen zu verrichten, Holz zu spalten oder Wasser zu tragen, niüssten sie es freudig vollbringen, und als eine geweihte Handlung betrachten4). Er wollte gefügige Werkzeuge an ihnen haben, die seine Pläne und Intriguen pünktlich vollstrecken helfen, oder vielmehr er wollte Unterthanen haben, die seine Befehle freudig vollziehen sollten. Er stellte ihnen einen seiner Knechte, Wawrek, als Vorbild auf, „der keine Schrift kennt und keine Gedanken hat und dessen Augen niedrig sind"5). Da sie aber meistens kabbalistisch gestimmt waren, und er mit Mystik einmal begonnen hatte, so behielt er diese kabbalistisch-mystische Rolle bei und!) Nauka Fr. p. 46 No. VI. Diese Frage richtete an ihn Imosc im Jahre 1785. S. auch das. p. 47 No. VIII. 2) S. das. p. 54, 56. 3) Das. p. 60 No. XXI. 4) Das. p. 63, 64; vergl. S. 71, 5) Das. p. 69 No. XXIII.