Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1868-01-01 · 1868 · page 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1868
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2720929-2720930--0903-2722145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

63 Frank schien seit seiner Einkerkerung in Czenstochow mehrere Jahre verschollen; aber seine Anhänger verloren ihn nicht aus den Augen; sie hingen um so zäher an ihm, als seine Leiden für sie erst recht als Bewährung seiner Messianität und seines Gottmenschthums erschienen, die sie sich gleich den älterenJSabbatianern typologisch zurechtlegten. Die Festung Czenstochow, zugleich ein frequentirter Wallfahrtsort für den Marien.- Cultus, erlangte für sie eine hohe mystische Bedeutung; sie nannten sie, nach einer talmudischen Reminiscenz, die Pforte Roms {Tar'a de- Romi1), wo der Messias in Knechtsgestalt leiden müsse. Wiex mir ein befreundeter Einwohner von Czenstochow, nach einer von seinem altgewordenen Vater empfangenen Ueberlieferung, mitgetheilt hat, soll Frank sich frei innerhalb der Festung haben bewegen dürfen und soll auch mit Juden verkehrt haben. Diese Freiheit mag er erst später, vielleicht durch Vermittelung seiner Frau und gewisser Protektionen, erlangt haben. In Polen gehörte Solches nicht zu den Unmöglichkeiten. Er fing auch wieder an, seine Spiegelfechtereien zu treiben, er hatte wieder Gesichte und Träume, wie er vorgab2). Er will in Czenstochow ein sterbendes Mädchen zur Genesung und ein gestorbenes dreijähriges Kind zur Auferstehung gebracht haben3). Er scheint sich auch mit einem Plane beschäftigt zu haben, seine Anhänger nach und nach in die Festung hineinzuschmuggeln und mit ihnen irgend einen Streich auszuführen. Etwas Anderes lässt sich aus den Vorwürfen nicht entnehmen, die er ihnen später so vielfach machte: dass sie sich nicht mit ihm dreizehn Jahre in der Festung eingeschlossen haben4). Sein Plan war ungefähr folgender, wie er ihn in der Intimität verlauten Hess5): „Ich würde Euch ermahnt haben, dass Niemand verrathen sollte, dass er zu meinen Leuten gehörte, nur dass sie wie andere getaufte Juden wären. Erst dann würde ich drei von Euch gerufen haben, sich zu mir nach Czenstochow zu begeben, und ich würde befohlen haben, dass sie nicht i) S. oben S. 10. a) Nauka F. p. 43 No. II bei Skimk 3) Nauka F. p. 48 -No. XII. 4) Das. p. 60 No. XXI. 5) Das. p. 62 fg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.