Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2720904-2720929-2720930--0904-2722146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
64 gerade in die Festung hineingehen, sondern während einiger Zeit sich in dem Städtchen an der Festung niederlassen sollten. Während dieses Verlaufes würdet Ihr ein kleines Portrait kaufen, und nachdem Ihr Euch gut in einem Zimmer mit geschlossenen Fenstern eingeschlossen und Ihr. untereinander unter dem grössten Stillschweigen 3 Tage und 3 Nächte weder Speise, noch Trank, noch Schlaf gekostet hättet, nur knieend Gebete sprechend, welche ich Euch vor diesem Portrait befohlen hätte, 3 Stunden Vormittags, 3 Stunden Nachmittags und ebensoviel in der Nacht, so würdet Ihr etwas erblickt haben. Erst würde ich Euch befehlen, Euch gut zu baden und die Nägel an Händen und Füssen abzuschneiden und dann in Weiss gekleidet an das Thor der Festung in folgender Weise zu gehen: mit zu Boden gesenkten Augen, mit herabhängenden Händen und mit dem grössten Stillschweigen. Einheimische und Fremde würden dann sagen: „„Ihr seid toll"*'. Das würde in dieser Lage eine Zeit dauern, bis Ihr zu der Mauer gelangtet. Erst nach einiger Zeit würdet Ihr in die Festung kommen, bis man Euch zu mir riefe!" Wie abenteuerlich oder wie schlau dieser Plan angelegt war, kann man beim Mangel an Nachrichten aus dieser Zeit nicht mehr ermessen. Es scheint ihm doch gelungen zu sein, mindestens mit drei seiner ehemaligen Auserwählten in Verbindung zu treten. Durch sie erliess er ein Sendschreiben (1767) an die Gemeindevon Brody, verkündete schauerliches Unglück und rief Wehe, Wehe über sie, wenn sie nicht die edomitische Religion freiwillig annähme1).— Die beginnende Auflösung des polnischen Reiches, welche der ersten Theilung Polens voranging, bot Frank Gelegenheit, seine Schwindeleien wieder aufzunehmen. Katharina II. hatte ganz Polen in die Netze ihrer schlauen Politik eingefangen, zuerst die Nation durch die Wahl ihrer Creatur Stanislaus Poniatowski und dann den König durch die Aufstachelung der Nation gegen ihn gedemüthigt und geschwächt. Durch die Unterstützung und Bekämpfung bald der einen, bald der anderen Partei und durch die Anregung der Dissidentenfrage hatte sie Polen gespalten, und ihre *) Bei Peter Beer a. a. Ö. II S. 330 f.