Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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52 von eben so zweideutigem Charakter wie er selbst, Ignatz Molivda, einen Russen, der sich Oberstlieutenant nannte, früher zu einer russischen Sekte der Philipowcy gehörte und später sich zum Katholicismus bekannte. Er diente den disputirenden Frankisten als Dolmetsch. Erst als die Disputation sich zu Gunsten seiner Leute zu gestalten schien, kam Frank selbst nach Lemberg (21. Juli) mit grossem Gepränge in einem Sechsspänner, wie ein orientalischer Fürst gekleidet und hinter ihm her eine lange Reihe von grossen und kleinen "Wagen, angefüllt mit Solchen, welche ihren Anschluss an die Kirche erklären sollten1). Frank kannte die Wirkung des augenblendenden Schimmers auf die Menge und bediente sich desselben, wie sich zeigen wird, bis zu seinem Ende, um sich ein Relief zu geben. — Nach Beendigung der Disputation sollen sich mehr als tausend Juden (nach Anderen gar 7000), d. h. heimliche Sabbatianer in Polen, zum Anschluss an die Kirche gedrängt haben2). Indessen waren die Frankisten mit dem Resultate der Disputation keineswegs zufrieden. Sie hatten sich davon eine blutige Verfolgung gegen ihre "Widersacher oder mindestens eine neue Razzia gegen den Talmud versprochen, und das ist nicht erfolgt. Auch ihr Hauptziel konnten sie nicht erreichen, nämlich einen Strich Landes zu, erhalten, wo sämmtliche Anhänger Frank's zusammenwohnen, eine Sekte für sich bilden, einen kabbalistischen Cultus mit ihm treiben und ihre Mysterien hätten fortsetzen können. Durch diese Unzufriedenheit schoben sie ihre Taufe, nach der sie so sehr Verlangen zu tragen vorgaben, von Tag zu Tag auf. Dadurch erregten sie aber den Verdacht, dass es ihnen überhaupt nicht Ernst damit sei. Frank's Geheim thuerei und die Verehrung, mit der seine >) Vergl. darüber Skimb. p. 18 und 21. Den sechsspännigen Wagen Frank's erwähnt auch die Quelle bei Emden I p. 83 a: iTh j?JJTlD Spy "lllNul ro^D wntaai idin D"otPiD trciD rmt by mmon nofo warn jrw. Ueber Frank's Begleiter Ignatz Moliwda „Oberstlejtnant" bei Skimb. p. 18, 21. Es ist derselbe, über den Mikulski dem Primas die skeptische Auskunft gab, Beilage S. XXXII: Eorum interpres . . . natione Moschovita . . . in schismate . . . immiscuerat se sectae . . . quae vocitatur Philipowcy. *) Skimb. p. 20. Schon die schwankende Zahl 1000 , 2000, 7000 zeugt von Ueberlreibung.