Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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48 noch mehr ihre Heuchelei beweist. Während sie früher nur im Allgemeinen sich zum Dogma der Trinität und der Incarnation bekannten, accentuirten sie im Manifest an Mikulski sehr scharf die römisch-katholischen Dogmen. Die Prophezeiung aller Propheten von der Ankunft des Messias seien bereits erfüllt. Der Messias sei der wahre Gott, der Fleisch geworden und zur Erlösung und zum Heil gelitten habe. Mit der Ankunft des Messias haben Opfer und Riten, das ganze Judenthum, seine Bedeutung verloren. Jeder Mensch müsse dem Messias, in dem das Heil sei, gehorchen. Das Kreuz sei das Zeichen der Dreieinigkeit und das Siegel des Messias. Zum Messias könne man nur durch die Taufe gelangen. Das Alles lehre die heilige Schrift und besonders der Sohar. Nur in einem Punkte blieben sich die Frankisten consequent, in ihrem Hasse gegen den Talmud und die Talmudisten. Auch in diesem Manifest behaupteten sie in unverschämter Verlogenheit: der Talmud lehre die Juden, Christenblut zu gebrauchen, und Alle, die an ihn glauben, müssen danach verlangen. Frank's Hand ist in diesem Manifest nicht zu verkennen, ohne dessen Rath seine podolischen Auhänger nichts unternahmen. Was der Primas verweigert hatte, gewährte ihnen der Administrator; er wollte die Gelegenheit nicht von sich weisen, Juden in den Schöss der Kirche zu ziehen, zumal die Wortführer der Frankisten, Krysa und Schor, übertrieben verheissen hatten, dass eine grosse Zahl Juden nur danach schmachten, der Heerde der Gläubigen des Messias-Königs vereint zu werden. Zu diesem Zwecke bestimmte Mikulski (im Juni) den 16ten des folgenden Monats zum Anfang der Disputation in Lemberg und forderte sämmtliche Rabbinen und Vorsteher der reussischen Gemeinden in der Diöcese auf, sich dazu bei Vermeidung einer Geldstrafe von Tausend Thalern einzufinden. Die Edelleute erhielten die Weisung, die Eingeladenen mit allen Mitteln zu zwingen, sich zum anberaumten Termine in Lemberg zu stellen1). Die Gemeinden geriethen dadurch in nicht geringen Schrecken. Sie fürchteten eine Wiederholung oder Verschlimmerung der Vorgänge zwei Jahre vorher unter Dembowski. ') Beil. S. I, II, XXXI oben. Skimb. p. 18.